Katzen sollen von Bad Bevensens Kirchplatz verschwinden / Hof als neues Zuhause gesucht

Kirchplatz-Katzen: „Sie sind nicht gewollt“

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Am Zaun des Bad Bevenser Kirchgartens kommen die Katzen jeden Abend zum Futter, das ihnen hingestellt wird.

Bad Bevensen. Sie werden von den meisten toleriert und von manchen gar liebevoll bestaunt, doch sie werden auch verachtet und verjagt: die Katzen auf dem Kirchplatz von Bad Bevensen. Seit vielen Jahren, ja, Jahrzehnten gehören sie zum Stadbild dazu.

Doch die Tage der Samtpfoten im Herzen der Kurstadt sollen nun bald gezählt sein: Sie sollen eingefangen und von dort weggebracht werden.

Kristin Zangi will die Katzen in den nächsten Tagen einfangen, sollte sich niemand finden, der sich um sie kümmert.

„Diese Katzen sind nicht gewollt“, sagt Kristin Zangi, Katzenbeauftragte im Tierschutzverein und Tierheim Uelzen. Doch das sei nur das eine Problem. Zwei Damen, die zuletzt die Fütterung der Katzen vom Kirchplatz übernommen hatten, sind mit den Tieren alt geworden. Sie sehen sich inzwischen nicht mehr in der Lage, die Tiere zu versorgen. „Die Katzen müssen da also weg“, bedauert Kristin Zangi. Für die nach all den Jahren noch verbliebenen fünf Katzen und Kater sucht sie also eine neue Bleibe, damit die Tiere noch ein paar schöne Jahre haben dürfen. Die Jüngsten sind die geschmeidigen Pelzträger alle nicht mehr, dafür aber im besten Mäusejäger-Alter: „Am besten wäre ein Hof, wo sie Platz haben und sich auch noch nützlich machen können“, sagt Zangi – wohlwissend, dass Katzen vor allem auf dem Lande als wichtige Fänger von lästigen Nagetieren geschätzt werden.

Die Katzenbeauftragte hofft sehr, dass sich ein Hofbesitzer findet, der die Katzen aufnimmt. Denn die Tiere sind seit vielen Jahren ihre Freiheit in Gemeinschaft gewöhnt. Sollten sich neue Zweibeiner finden, die den Katzen allabendlich ihre Näpfe füllen, könnte auch dies noch eine Option sein, glaubt Zangi. Dann könnten die Tiere ihre letzten Jahre noch auf dem Kirchplatz verbringen.

Mäusefänger suchen neue Jobs

Von niemandem wirklich gewollt und ihr Leben lang nur geduldet, suchen die fünf verbliebenen Katzen vom Bad Bevenser Kirchplatz für ihre letzten Lebensjahre ein Zuhause.

Am Abend kommen sie aus ihren Verstecken. Matthea, Johanna, Philippa, Lukas und Simon. Sie tragen teils abgewandelte Namen von Fünfen der zwölf Apostel. Denn das Zuhause der fünf Katzen und Kater ist seit vielen Jahren der Bad Bevenser Kirchplatz. Doch jetzt sollen die Tiere umziehen. Es fehlen inzwischen zweibeinige „Dosenöffner“, die ihnen abends ihr Futter hinstellen. Und überhaupt: Die Samtpfoten inmitten der Stadt werden, so lange sie dort schon leben, von den meisten nicht gern gesehen.

Waren es vor 20, 25 Jahren noch Dutzende Katzen, ist heute eine Handvoll von ihnen auf dem Kirchplatz übriggeblieben. „Es sind schon ältere Katzen, etwa elf oder zwölf Jahre alt. Alle wurden im Jahr 2005 kastriert“, erzählt Zangi.

In der Abenddämmerung sieht sie den pelzigen Vierbeinern beim Fressen zu. An Mauern gedrückt und unter Bäume gekauert futtern sie die Fleischbröckchen von den Plastikschalen, die Zangi ihnen hingestellt hat. Auf dem Bad Bevenser Kirchplatz ist es jetzt ganz still. Letzte Passanten eilen achtlos vorbei an den Katzen, die am Fuße der Kirche und am Kriegerdenkmal kauern und huschen und hier jeden Abend ihre einzige Tagesmahlzeit aus Menschenhand erhalten.

Möglichst unauffällig stehen Schälchen und Pappteller in Nischen und unter Zweigen, damit niemand sich gestört fühlt. Denn Kristin Zangi weiß, dass diejenigen, die sich bislang um das Wohl der Tiere gekümmert haben, manchmal ganz schön was einstecken mussten. „Man muss sich da von manchen Leuten richtig beschimpfen lassen“, weiß sie, „dabei ist Katzenfüttern nicht verboten.“ Auch seien immer wieder Fressnäpfe einfach verschwunden.

Die Damen, die zuletzt die Katzen vom Kirchplatz gefüttert haben, sind mit den Tieren alt geworden. Sie können und wollen nicht mehr jeden Abend zum Kirchplatz, Futter verteilen und dort abwarten, bis die Tiere gefressen haben. Doch man kann die Katzen auch nicht sich selbst überlassen, betont Kristin Zangi. „Es ist ein Irrglaube, dass Katzen einfach wieder zu Wildkatzen werden, wenn man sie laufen lässt. Die Tiere sind so domestiziert, dass sie zwar Mäuse fangen, aber ohne Zufüttern nie lange überleben können.“

Und so bereitet Kristin Zangi jetzt das Einfangen der Samtpfoten vor. Denn sollten sich keine neuen Futtergeber finden, bleibt nur, die Katzen endgültig vom Kirchplatz wegzuholen. Am besten wäre das Quintett auf einem Hof aufgehoben, wo es Mäuse fangen und noch ein paar Jahre leben kann. „Vorher“, kündigt Zangi an, „werden natürlich alle noch einmal beim Tierarzt vorgestellt und komplett durchgecheckt.“ Ein kleines Sorgenkind ist nämlich auch noch dabei: Johanna hat ein kaputtes Auge und chronischen Schnupfen, ihr schwarzer Pelz ist auch ganz struppig. Für sie ist es längst allerhöchste Zeit, dass eine Lösung gefunden wird.

Wer den halbwilden Katzen vom Kirchplatz eine Anstellung als Mäusefänger auf seinem Hof geben möchte, der melde sich beim Uelzener Tierheim unter Telefon (05 81) 1 51 70.

Von Ines Bräutigam

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