Landgericht Lüneburg verurteilt 47-jährigen Bevenser zu Bewährungsstrafe

Kinderschänder bleibt frei

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Der 47-jährige Mann aus Bad Bevensen - hier beim Prozessauftakt im Mai - wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

ib Bad Bevensen / Lüneburg. Zwei Jahre Haft auf Bewährung, eine Sexual- sowie Psychotherapie und das Verbot, zu Kindern Kontakt aufzunehmen oder sie zu betreuen. Dieses Urteil hat die 2. große Jugendkammer des Landgerichts Lüneburg heute gegen einen 47-jährigen Mann aus Bad Bevensen gesprochen.

Dem Mann wurde Kindesmissbrauch in 159 Fällen vorgeworfen. Staatsanwältin und Nebenklage-Vertreter hatten zuvor übereinstimmend eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten gefordert. Übrig geblieben waren von den 159 angeklagten Taten am Ende 28 – in zwei Fällen mit Körperverletzung. Die anderen wären nach Auffassung der Prozessbeteiligten nie beweisbar gewesen. Der 47-Jährige hatte seine Tochter, seine Nichte und acht weitere Mädchen zwischen vier bis zehn Jahren nackt posieren lassen und fotografiert, im Intimbereich eingecremt und Gipsabdrücke von Po und Schambereich genommen. Was die Taten bei den Kindern und ihren Familien angerichtet haben, davon berichtete gestern sehr emotional die Ex-Frau des Angeklagten und betroffene Eltern.

Staatsanwältin und Nebenklage-Vertreter hatten zuvor übereinstimmend eine Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten gefordert. Wie berichtet, war dies die Höchstgrenze einer Vereinbarung, die das Gericht vorab festgelegt hatte. Kern dieses Deals: Sollte der Angeklagte gestehen und damit den Kindern eine Aussage vor Gericht ersparen, könne er mit einer Freiheitsstrafe zwischen 22 und 26 Monaten, einer Sexualtherapie und einer Geldauflage rechnen. Sollte die Strafe unter zwei Jahren bleiben, könne sie zur Bewährung ausgesetzt werden – so, wie jetzt geschehen. Während der Vorsitzende Richter Nico Ottmüller dem Angeklagten maßgeblich zugute hielt, dass dieser geständig gewesen sei und mehr eingeräumt habe als eine lückenhafte Anklageschrift und Ermittlungsakte eigentlich hergegeben hätten, dass er nicht vorbestraft sei und sich früh um eine Sexualtherapie bemüht habe, sahen die Vertreter der Nebenklage und Staatsanwaltschaft das völlig anders. Das Geständnis sei „taktisch und nicht von Reue getragen“, meinte die Staatsanwältin. „Für die Eltern schwer zu ertragen“ und „etwas, zu dem Sie sich veranlasst gesehen haben“, um dem Deal gerecht zu werden, ergänzten andere Nebenklage-Vertreter. Nur Stück für Stück habe der Angeklagte die Vorwürfe eingeräumt, es dabei ein Einsicht mangeln lassen und Dinge verharmlost. „Er hat sich auf besonders perfide Weise an sehr kleine Kinder herangemacht“, betonte der Anwalt einer Opferfamilie, „und er stellt sich dem nicht. Er will sich einen kleinen Raum bewahren.“ Die Verteidigung hatte – wie nun geurteilt – auf maximal zwei Jahre auf Bewährung plädiert.

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