Betreiber Andreas Gensch hängt nach Entscheidung der Stadt Bad Bevensen in der Luft

Keiner will sie finanzieren: Kriegt die Solarbahn noch die Kurve?

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Die Zukunft der Bad Bevenser Solarbahn ist unsicher – weder Stadt noch Marketing-Gesellschaft wollen das Angebot weiter finanzieren.

Bad Bevensen. Wenn zwei sich streiten, freut sich nicht unbedingt immer der Dritte – wobei es zwischen der Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM) und der Stadt Bad Bevensen bei der Frage, wer künftig den Betrieb der Solarbahn finanzieren soll, weniger um einen Streit denn um eine Frage der Zuständigkeit geht.

Fakt aber ist: Andreas Gensch als Dritter im Bunde hat keinen Grund zur Freude. Denn nachdem der Verwaltungsausschuss der Stadt in seiner jüngsten Sitzung entschieden hat, die Solarbahn-Finanzierung nicht von der BBM zu übernehmen, die sie wiederum – wie berichtet – los werden möchte, hängt der Solarbahn-Betreiber in der Luft.

Und er ist sauer. „Ich hätte doch niemals 300 000 Euro investiert und eine auf Bad Bevensen zugeschnittene Solarbahn angeschafft, wenn ich gewusst hätte, dass es nur für zwei Jahre ist“, sagt er. Am 1. Juni 2014 war die Solarbahn in der Kurstadt gestartet, der Vertrag mit der BBM läuft bis zum 31. Mai 2016. „Und es war von Anfang an vereinbart, dass die Stadt danach die Finanzierung übernimmt“, sagt Gensch. „Und wenn Samtgemeindebürgermeister, Bürgermeister und BBM-Chef das so besprechen, dann zweifele ich da keine Sekunde dran.“

Die Genehmigung für den ÖPNV (Öffentlichen Personennahverkehr) sei obendrein für zehn Jahre erteilt worden. Und für diesen Zeitraum habe Andreas Gensch auch geplant – ansonsten wäre der Solarbahn-Betrieb gar nicht rentabel, sagt er. Kürzlich aber sei man seitens der BBM auf ihn zugekommen. „Zum Kennenlernen, hieß es“, sagt Gensch. Denn die BBM steht seit 1. September, wie berichtet, unter Regie von Interims-Geschäftsführer Björn Eichner von der Glücksburg Consulting AG (GLC) aus Hamburg. Beim Kennenlernen allein sei es nicht geblieben, sagt der Solarbahn-Betreiber. „Es hieß, meine Verträge wären rechtswidrig, weil der Kurbahn-Betrieb europaweit hätte ausgeschrieben werden müssen.“Er habe sich dabei auf den damaligen BBM-Geschäftsführer verlassen, sagt Gensch, schließlich seien die Verträge juristisch geprüft worden, habe man ihm damals gesagt. Mit 120 000 Euro pro Jahr finanziert die BBM derzeit noch den Solarbahn-Betrieb. 13 000 Euro zahle Andreas Gensch trotzdem drauf. „Wir hatten große Anlaufschwierigkeiten, die aber längst behoben sind.“ Und über eine Dauer von zehn Jahren hätte er das Defizit auch ausgleichen können, sagt Gensch, der auch im Center Parc Bispingen eine Solarbahn betreibt. Wie es nun nach dem 31. Mai 2016 weitergehen soll, das weiß der Solarbahn-Betreiber noch nicht. Drei Mitarbeiter hat er noch, die 365 Tage im Jahr mit der Solarbahn durch die Kurstadt fahren. Erst kürzlich hatte Gensch auf Wunsch der Stadt den Bereich Röntgenstraße mit in seinen Fahrplan aufgenommen. „Denn die Solarbahn ist nicht nur ein Angebot für Kurgäste, sondern auch für die Einwohner.“ Und so richtig verstehen kann er das Hin und Her sowieso nicht: Denn für die Finanzierung einer Kurbahn sei der Kurbeitrag einst um 30 Cent pro Person und Tag angehoben worden. Gensch: „Eigentlich hat doch weder Stadt noch BBM einen Nachteil.“ Zum Hintergrund: Die BBM ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt Bad Bevensen.

Von Ines Bräutigam

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