Neuland-Skandal: Gutachten entlastet Geschäftsführer des Vertriebs Nord in Bevensen

Keine Indizien für Mittäterschaft

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Zu falsch deklariertem Geflügelfleisch im Bevenser Neuland-Betrieb liegt nun ein Untersuchungsergebnis vor.

stk Bad Bevensen. Was wusste der Geschäftsführer der Neuland-Produktions GmbH von den Praktiken eines Wietzener Landwirts, der im großen Maßstab falsch deklariertes Hähnchenfleisch nach Bad Bevensen geliefert hat?

Diese Frage sollte eine Untersuchung klären, die der Neuland-Trägerverein für artgerechte Tierhaltung in Auftrag gegeben hat. Jetzt liegt das Ergebnis vor.

„Nach unseren Erkenntnissen liegen keine Anhaltspunkte für eine Mittäterschaft vor“, teilt Bundesgeschäftsführer Jochen Dettmer auf AZ-Nachfrage mit. „Es gab nur ein paar Kennzeichnungsprobleme.“

Dabei ging es nach Dettmers Auskunft um Putenfleisch, das mit dem Hinweis „Aus Umstellungsbetrieb“ hätte versehen werden müssen.

Im AZ-Interview Ende April hatte Dettmer noch schwere Vorwürfe gegen den Neuland-Vertrieb Nord erhoben. Der Landwirt, der deutlich mehr Hähnchen geliefert hatte, als nach den Neuland-Richtlinien erlaubt, müsse Mitwisser gehabt haben. Gemeint war der Geschäftsführer. „Er hat uns gesagt, dass er nicht nachgerechnet und einfach bestellt hat“, erzählte Dettmer damals. Und kündigte eine „Tiefenprüfung“ des Bevenser Betriebs an.

Erstellt wurde das Gutachten von der Gesellschaft für Ressourcenschutz (GFRS) aus Göttingen, die auf Bio-Zertifizierungen spezialisiert ist. Es ist nach Auskunft von Gerhard Bohm, Aufsichtsratsvorsitzender der Neuland Produktions GmbH, dasselbe Institut, das auch für die Kontrolle des Landwirts in Wietzen zuständig war. „Die kennen die Materie“, begründet der Landwirt aus Riskau bei Dannenberg die Wahl. Allerdings kritisiert er auch, dass die GFRS, den Bauern zu selten, nur einmal im Jahr, kontrollierte.

Welchen Anteil am Skandal der Neuland Vertrieb Nord hatte, werden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen den Hähnchenmäster ergeben.

Von Gerhard Sternitzke

Einen umfangreichen Artikel dazu lesen Sie in der Donnerstagsausgabe der AZ.

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