Intercitys in Bad Bevensen

Keine Ausstiegsmöglichkeit für Rollstuhlfahrer

Bad Bevensen. Wer mit dem Intercity (IC) der Deutschen Bahn nach Bad Bevensen reist und im Rollstuhl sitzt, erlebt eine unangenehme Überraschung. Anstatt in der Kurstadt aussteigen zu können, muss der Betroffene bis Uelzen weiterfahren und von dort mit dem barrierefreien Metronom wieder zurück.

Der Grund: Die Bahn hat weder Personal noch Hublift vor Ort. Erst in Uelzen sei die nötige Ausstattung vorhanden, erklärt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis auf AZ-Nachfrage.

„Die Bahn muss Rollstuhlfahrern ermöglichen, aus dem IC in Bevensen auszusteigen. Ansonsten verstößt sie gegen die UN-Behindertenkonvention“, sagt Maik Fischer, Vorsitzender des Bevenser Inklusionsrats. Dabei gehe es nicht darum, dass die Bahn sofort jeden Bahnhof Deutschlands komplett barrierefrei umbaue, sondern dass sie dafür sorge, dass für den Einzelfall Vorkehrungen getroffen sind. „Dr. Sigrid Andrade – eine Inklusionsexpertin, die selbst im Rollstuhl sitzt und auf dem Weg nach Bevensen im IC war – hat das Verhalten der Bahn als diskriminierend bezeichnet“, weiß Fischer.

Auch den Touristikern und der Verwaltung sind die Probleme bekannt. Gerhard Kreutz, Veranstaltungsmanager der Bad Bevensen Marketing GmbH, berichtet: „Die Gäste wünschen sich eine Behindertengerechte Anreise.“ Trotz vieler Bemühungen und Gespräche mit der Bahn sei es nicht gelungen, eine Lösung zu finden. „Die Situation ist eigentlich nicht akzeptabel, aber es ist ein Problem der Bahn, auf das wir keinen Einfluss haben“, sagt Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer. Bis 2006 habe es einen Hubwagen mit Personal am Bad Bevenser Bahnhof gegeben. Doch mit dem Umbau im Jahr 2006 wurden die beiden Bahnsteige auf 76 Zentimeter erhöht, sodass ein – laut Bahn – behindertengerechtes Ein- und Aussteigen ermöglicht wird und der Hubwagen nicht mehr nötig ist.

Auf diese Sanierung verweist auch Bahnsprecher Meyer-Lovis. Im Programm „Niedersachsen ist am Zug“ habe die Bahn rund zwei Millionen Euro in den stufenfreien Zugang zu Bahnsteigen und Gebäude investiert. Damit sei aus Sicht des Unternehmens die komplette Barrierefreiheit hergestellt. Dass zukünftig Rollstuhlfahrer aus dem IC in Bevensen aussteigen können, schließt Meyer-Lovis aus: „Es wird seitens der DB AG keinen Hublift geben.“ Die Bahn habe schlichtweg nicht das Personal, um an jedem Bahnhof vor Ort zu sein.

Doch es gibt nicht nur Probleme für Rollstuhlfahrer bei der Anreise mit dem Intercity. Die Bevenserin Angelika Heller kritisiert, dass es am Bahnhof keinen Fahrstuhl gibt. Rollstuhlfahrer müssten lange Wege zurücklegen, um das Gleis zu wechseln.

Von Lars Lohmann

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