Katzenbabys in der Plastiktüte

Hinter ihnen liegt eine Odyssee: Schützend legt sich die Katzenmutter um ihre verbliebenen Jungen und lässt niemanden an sie heran. Foto: Zangi

Weste-Bahnhof. Sie hat gekämpft wie eine Löwin, gefaucht und gekratzt. Dabei sollte die verängstigte Katzenmutter mit ihren erst drei Tage alten Welpen am Sonnabendmorgen nur aus ihrer erbärmlichen Lage gerettet werden:

Der Hund einer Spaziergängerin hatte die Katzenfamilie gegen 10 Uhr in einer Plastiktüte am Straßenrand aufgestöbert.

Die Spaziergängerin alarmierte völlig aufgelöst den Uelzener Tierschutzverein, dessen Helfer umgehend ausrückten. Vor Ort bot sich ihnen ein trauriges Bild: Eines der Katzenbabys war bereits tot, zwei weitere Welpen hatte die Finderin in ihre Obhut genommen. Zwei Kleine hatte die verstörte Katzenmutter in ihrer Panik weggeschleppt und sich mit ihnen auf dem Grundstück der Spaziergängerin versteckt. Mit Krallen und Zähnen verteidigte sie den Nachwuchs, so dass sich für die Retter das Einfangen der Tiere schwierig gestaltete.

„Aus dem Gesamtverhalten der Katzenmutter lässt sich schließen, dass es ihre ersten Welpen sind“, sagt Kristin Zangi vom Vorstand des Tierheims Uelzen. „Hier scheinen sich Menschen mal wieder völlig blauäugig eine Katze angeschafft zu haben und sind von der Tatsache, dass diese Katze so jung schon Welpen bekommt, völlig ‘überrascht’ worden“, ist sie erbost.

Nach vier Stunden war die kleine Katzenfamilie dann eingefangen und in einer Box des Tierheims vereint. Die ersten Nächte haben Mutter und Kinder gut überstanden, gestern Morgen entdeckten die Tierheim-Helfer dann, dass ein weiteres Katzenbaby tot in dem Korb zwischen Mutter und seinen Geschwistern lag.

Kristin Zangi macht das alles richtig wütend: „Die Form, mit dem Problem umzugehen, ist absolut menschen- wie tierunwürdig“, schimpft sie. „Mir fehlen fast die Worte. Bis auf ‘verabscheuungswürdig’ und ‘strafbar’.“ Denn: Das Aussetzen von Tieren ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 25 000 Euro bestraft werden kann.

„Es lässt darauf schließen, dass die Tüte mit den Welpen und die Katze aus einem Auto geworfen wurden, und zwar am Ortseingang Weste-Bahnhof von Weste kommend“, sagt Zangi. Wer also am Sonnabendvormittag oder ein, zwei Tage davor ein verdächtiges Fahrzeug oder auffällige Personen beobachtet hat, sollte sich mit Polizei oder Tierschutzverein in Verbindung setzen.

Von Ines Bräutigam

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