Torsten Wendt „zufrieden“ / Uwe Liestmann und Rüdiger Proest enttäuscht

Kammer macht das Rennen

Strahlender Sieger: Hans-Jürgen Kammer ist Bürgermeister der neuen Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf. Foto: Wendlandt

Bad Bevensen/Ebstorf. Das anerkennende „Aaaaahhh. . . “ bekommt Hans-Jürgen Kammer noch nicht mit, als um 19. 53 Uhr seine Heimatgemeinde Barum ihr Ergebnis meldet. 74,6 Prozent der Stimmen hat der SPD-Mann dort erhalten. Wenige Minuten später, um 20.

02 Uhr, taucht Kammer dann persönlich auf der Wahlparty der Bad Bevensen Marketing GmbH im Kurhaus auf. Applaus brandet auf, denn schon zu diesem Zeitpunkt deutet alles darauf hin, dass gerade der Samtgemeindebürgermeister der neuen Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf den Raum betreten hat. Am Ende kann er 38,93 Prozent aller Wähler-Stimmen auf sich vereinigen.

Gratulierte dem Gewinner per Telefon: Torsten Wendt.

Als die ersten Hochrechnungen veröffentlicht wurden, habe er schon ein wenig „gebibbert“, gibt Kammer zu, als er um 20.25 Uhr zum Mikrofon greift und sich bei den Wählern und seinem Wahlkampf-Team bedankt. „Ich freue mich riesig“, sagt Kammer und räumt ein, dass er das Ergebnis „nicht so deutlich erwartet“ habe. Er habe in der Vergangenheit keine Versprechungen gemacht und werde das auch jetzt nicht tun, kündigt Kammer an. Er versichert aber als Bürgermeister der künftig größten Samtgemeinde Niedersachsens: „Ich will einen guten Job machen und werde mich bemühen, die Parteien zusammenzubringen – und dafür stehe ich.“ Bei seinen Mitbewerbern bedankt sich Hans-Jürgen Kammer für einen fairen Wahlkampf und hofft, „dass sich auch nach der Wahl alle in die Augen gucken können“.

Mit einem Konkurrenten dürfte ihm das auch künftig nicht schwer fallen: Im Ebstorfer Gasthaus „Zum Unteren Krug“, wo er zusammen mit Mitgliedern der Unabhängigen Wählergemeinschaft Ebstorf (UWE) die Ergebnisse abwartet, greift Ebstorfs Samtgemeindebürgermeister Torsten Wendt kurz, nachdem das Ergebnis der Wahl feststeht, zum Handy: „Herzlichen Glückwunsch, Herr Kammer! Vielleicht komme ich gleich noch rum.“ Dritter ist Wendt am Ende geworden. „Ich bin froh und dankbar, dass meine Ebstorfer zu mir gehalten haben. Soweit ich das jetzt sehen kann, haben hier überall um die 40 Prozent für mich gestimmt“, sagt er. „Das Wahlergebnis ist nicht schlecht, immerhin habe ich als parteiloser Kandidat meinen Wahlkampf alleine gestemmt.“ Froh seien er und seine Frau Anke, dass der Wahlkampfmarathon nun vorbei ist. Und hoffen kann er schließlich immer noch auf den Stellvertreterposten: Im Vorfeld der Wahl hatten Hans-Jürgen Kammer und Torsten Wendt angekündigt, wenn einer der beiden Samtgemeindebürgermeister wird, würde er den jeweils anderen als seinen Stellvertreter vorschlagen. Das wiederum muss der neue Samtgemeinderat aber bestätigen – die einfache Mehrheit genügt.

Uwe Liestmann, der für die CDU ins Rennen um den Samtgemeindebürgermeisterposten gegangen war, landet mit 30,76 Prozent auf dem zweiten Platz. „Ich habe es scheinbar nicht rüber bringen können, dass wir mit der Fusion einen Neuanfang machen wollten. Das Tandem Kammer und Wendt ist weiter gewählt worden“, bedauert Liestmann, der den Wahlabend zu Hause in Hanstedt I mit seinen Unterstützern verbringt. „Dennoch habe ich ein respek-tables Ergebnis.“ Zufrieden sei er aber nicht, schließlich wollte er „die Amtsinhaber aus dem Ring stoßen“. Für ihn endet mit der Wahl zunächst seine politische Karriere. Denn für den Ortsrat Hanstedt I, in dem er lange CDU-Fraktionsvorsitzender war, ist er diese Wahl nicht angetreten. „Ich dachte, wenn ich ernsthaft Samtgemeindebürgermeister werden will, dann kann ich nicht auch noch für den Ortsrat kandidieren. Jetzt muss ich in den sauren Apfel beißen – ich bin ganz raus.“

Rüdiger Proest ist auch nicht ganz zufrieden. „Dass es nicht viel wird, habe ich mir gedacht“, sagt der Emmendorfer, der für die FDP ins Rennen gegangen war, „aber mit 5 Prozent hatte ich schon gerechnet.“ Schuld daran sei seiner Meinung nach auch der Bundestrend. Dass Hans-Jürgen Kammer am Ende das Rennen um den Samtgemeindebürgermeisterposten gemacht hat, habe ihn nicht überrascht. Im Gegenteil: „Vor ein paar Wochen habe ich ihm noch gesagt, dass er 40 Prozent kriegt“, verrät Proest gestern Abend gegenüber der AZ. Da habe Kammer gesagt, wenn das eintrete, gebe es Champagner. „Da ist er nun knapp drum herum gekommen“, schmunzelt Rüdiger Proest mit einem Augenzwinkern.

Von Ines Bräutigam und Wiebke Brütt

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