Die Schauspieler Jörg Schüttauf und Holger Umbreit waren in Bad Bevensens Kurhaus zu Gast

Jonassons Erfolgsroman: Forrest Gump auf Skandinavisch

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Zwei Prominente im Kurhaus: Holger Umbreit (Foto) und Jörg Schüttauf lasen in Bad Bevensen aus dem Erfolgsroman „Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand“.

Bad Bevensen. Wie wäre es doch um die Welt bestellt, hätten wir nicht Allan Karlsson gehabt.

Jörg Schüttauf

Er hat als genialer Sprengmeister im spanischen Bürgerkrieg mitgemischt, war an der Entwicklung der Atombombe in den USA beteiligt, ja, ohne ihn hätte Robert Oppenheimer nicht gewusst, wie das Ding zu zünden war. Allan Karlssons hat in seinem Leben viel erlebt; nun ja, sind es doch mittlerweile hundert Jahre, auf die er zurückblicken kann. Aber bevor die große Feier zu seinem Jubel-Geburtstag im Altenheim losgeht, steigt er lieber aus dem Fenster und verschwindet.

Jörg Schüttauf und Holger Umbreit lesen am Dienstagabend aus Jonas Jonassons Erfolgsroman „Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand“ – und verschwinden ebenfalls nach 75 Minuten. In dieser relativ kurzen Zeit haben die beiden Schauspieler im Wechsel Texte aus dem Roman lesend, gestikulierend, mit szenischen Einspielungen, die Romanfigur Allan Karlsson vorgestellt und sind nahezu im Elefanten-Galopp durch dessen Leben gestürmt.

Schüttauf und Umbreit kennen sich aus mit Allan Karlsson. Seit 2013 touren die beiden mit ihrer Lesung durchs Land. 2013 inszenierte das Altonaer Theater – noch bevor der Film zum Buch in die Kinos kam – diese Geschichte. Mit Schüttauf und Umbreit als Darsteller. Schüttauf stieg nach etwas mehr als 50 Vorstellungen aus, Umbreit ist weiterhin dabei. Und so bleibt es nicht aus, dass die beiden ihre Lesung mit Elementen des Theaterstücks versehen.

Dabei fällt dann schon mal eine Wasserflasche auf dem Lese-Schreibtisch um, geht ein Wasserglas zu Bruch – okay, der Raum im nagelneuen Kurhaus in Bad Bevensen, in dem sie lesen, trägt den Namen „Raum Aqua“ – alles im Leben verläuft nach einem Plan. Nicht nur bei Tausendsassa Allan Karlsson.

Minutiös geplant ist diese Lesung, fast nichts dem Zufall überlassen. Schüttauf schlüpft nahtlos von der Rolle des Vorlesers in die des alten Tattergreises, der nach dem Mitnehmen eines Koffers mit der sagenhaften Summe von 50 Millionen Kronen von Gangstern und Polizei gejagt wird. Holger Umbreit unterstützt ihn gekonnt, Einwürfe wie „Du musst jetzt klopfen, Du bist die Schwester“ (Schüttauf) werden passend beantwortet: „Nee, ich bin noch auf Toilette.“ (Umbreit) Das hat den Anschein von Spontanität, aber alte Theaterhasen wissen halt, wie man Haken schlägt.

Und doch – die beiden sind witzig, können aber auch dramatisch, vermitteln einen guten und glaubwürdigen Ein- und Überblick, tauchen ein in das hundertjährige Leben des Allan Karlsson und seine skurrilen Erlebnisse, bei denen die Elefanten-Dame Sonja eine bedeutende Rolle spielt...

Noch während des Schlussbeifalls steigen Jörg Schüttauf und Holger Umbreit zwar nicht aus dem Fenster, aber sie verschwinden. Danke euch beiden – Danke Jonas Jonasson für Allan Karlsson.

Von Folkert Frels

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