Wildschwein-Population um Bad Bevensen „massiv“ – wegen Rücksichtnahme auf Naherholung

Jäger mit Ladehemmung

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Sie haben nichs auszustehen, die Wildschweine rund um Bad Bevensen. Weil das Jagen nahe der Kurstadt äußerst sensibel gehandhabt wird, vermehren sich die Schwarzkittel dort besonders stark. Nun wird überlegt, sonntags morgens auf Jagd zu gehen.

Bad Bevensen/Ebstorf. Wildschweine gibt es in der Region reichlich. Das ist allseits bekannt. Die Population der Schwarzkittel im Bereich Bad Bevensens und Ebstorfs allerdings sei „massiv“, sagt Heinrich Hellbrügge.

Der Kreisjägermeister und seine Kollegen denken daher aktuell darüber nach, den Schweinen in den dortigen Wäldern ganz besonders intensiv an die Borsten zu gehen. Denn aus Rücksichtnahme auf Spaziergänger, auch Urlauber und Kurgäste, hätten die Jäger in der Vergangenheit oftmals nicht in dem Maße gejagt, wie sie es hätten tun können und sollen, so Hellbrügge.

Heinrich Hellbrügge.

Gerade rund um den Kurort Bad Bevensen sei die Situation besonders sensibel, weiß der Kreisjägermeister. Hier müsse die Sicherheitslage wegen vieler Menschen, die den Wald zur Naherholung nutzten, besonders in den Fokus gerückt werden, gibt er zu bedenken. Auf Jagden am Sonntag verzichte man bislang rund um die Kurstadt komplett. Wenn die Wildschweine sich aber weiterhin in einem so rasanten Tempo vermehrten, wie sie es derzeit täten, müsse gehandelt werden. „Dann muss man auch mal am Sonntagmorgen jagen, wenn noch nicht so viele Leute auf den Beinen sind.“

Möglichen Beschwerden und Widrigkeiten wolle man in der Regel lieber aus dem Weg gehen, weiß Heinrich Hellbrügge. Die Revierinhaber rund um das Ruhe liebende Bad Bevensen haben nämlich besonders viel zu bedenken, wenn sie auf Jagd gehen wollen. „Da laufen manche schon morgens im Halbdunkel mit ihrem Hund durch den Wald, auch kreuz und quer und nicht auf den Wegen“, so Hellbrügge. Auch an Sperrungen, wenn dann tatsächlich mal gejagt werde, halte sich kaum jemand. Da wird trotzdem gewalkt, gejoggt und spazieren gegangen. Was die Angelegenheit nicht einfacher gestalte und den einen oder anderen Jäger dazu veranlasse, einfach nicht mehr so oft zu jagen. Der Kreisjägermeister weiß: „Die Schweine haben dann ihre Ruhe, und das finden die natürlich toll.“

Folge dieses tierischen Wohlgefühls sind sich fröhlich vergrößernde Wildschweinrotten, die nicht nur auf Feldern mit ihrer Fresslust große Schäden anrichten. Und da es quasi keine echten Winter mehr gebe, würden bereits Frischlinge noch im gleichen Jahr ihrer Geburt wiederum Frischlinge auf die Welt bringen. „Wir haben bei Wildschweinen derzeit eine Vermehrungsrate von 330 Prozent“, berichtet Hellbrügge.

Auch vor dem Hintergrund der sogenannten afrikanischen Schweinepest seien die Jäger gut beraten, die hiesigen Wildschweinrotten zu dezimieren. In Osteuropa nämlich ist die für den Menschen zwar ungefährliche, für Wildschweine aber fast immer tödlich verlaufende Seuche weiterhin auf dem Vormarsch. „Würde die Pest ausbrechen“, so Hellbrügge, „würde ganz Deutschland zum Sperrgebiet werden. Dann würde alles hermetisch abgeriegelt und ein großer wirtschaftlicher Schaden verursacht werden, ein Milliardenschaden.“

Ob sonntags früh in den Wäldern rund um Bevensen gejagt werde, hätten letztlich die Revierinhaber zu entscheiden, betont Heinrich Hellbrügge. Aus seiner Sicht aber wäre das sinnvoll und notwendig. „Wir müssen alles Mögliche versuchen, die Situation in den Griff zu bekommen.“

Von Ines Bräutigam

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