Bekannte Künstlerin liest, singt und erzählt im Bad Bevenser Kurhaus aus ihrem Leben

Isabel Varell: „Das Kind eines Rosenkriegs“

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Isabel Varell sang am Freitagabend im Kurhaus.

Bad Bevensen. Gesang, Musik und Schauspiel haben sie bislang gut durchs Leben gebracht. Doch irgendwie hat Isabel Varell das Gefühl: „Da geht noch mehr. “ Also beginnt sie zu schreiben.

Isabel Varell gab mit ihrem Buch „Mittlere Reife“ viele ehrliche Einblicke in ihre Lebens- und Gefühlswelt.

Das Ergebnis: ein Buch mit dem Titel „Mittlere Reife“, aus dem die Künstlerin am Freitagabend im Bad Bevenser Kurhaus viel lebenskluge Erkenntnisse vorliest und zwischendurch mit ihrer glockenklaren Stimme – begleitet am Flügel von Christian Heckelsmüller – einige Lieder singt.

Nach einer unglücklichen Kindheit mit einer unglücklichen, männerhassenden Mutter, die sie schlägt, und ohne Vater engagiert sich Isabel Varell in der Hospizarbeit, läuft Marathon, geht ins RTL-Dschungelcamp („Langweilig war’s da nicht!“), spielt in der Lüneburg-Telenovela „Rote Rosen“ mit und singt. Als Jugendliche rebelliert sie. Sie fliegt von zwei Schulen, klaut, legt Feuer und testet ihre Grenzen mit Alkohol aus. „Ich bin da nicht stolz drauf“, erzählt sie ihrem Bevenser Publikum und schiebt eine Erklärung hinterher: „Ich bin das Kind eines Rosenkriegs.“

Auf diese prägende Kindheit geht wohl vieles in ihrem weiteren Leben zurück. Die vermisste Anerkennung holt sie sich auf der Bühne. Doch es kommen weitere Spuren auf ihrer Seele hinzu: Ihr turbulentes Leben mit dem drogensüchtigen Drafi Deutscher, das „viele schockierende Momente“ bereit hielt, aber auch Erfolgserlebnisse wie bei acht absolvierten Marathonläufen und ganz neue Weltansichten wie im besagten Dschungelcamp beschreibt Isabel Varell mit großer Offenheit.

Isabel Varell - ganz nah dran an ihrem Bevenser Publikum.

„Beim Schreiben erlebt man vieles sehr intensiv wieder“, berichtet sie von ihrer acht Monate dauernden Arbeit an „Mittlere Reife“. Sie sei „abgetaucht in einen Kosmos vergangener Erlebnisse“, verrät die Frau mit den Kringellocken und den immer himmelwärts zeigenden Mundwinkeln. Dass sie, die in ihrem weißen Top und der Lederhose zu sprühen scheint vor Lebenslust, auch mal finstere Zeiten durchlebt – schwer vorstellbar. Und doch ist es so.

Mit ihrem Abend im Kurhaus erlaubt Isabel Varell ihrem Publikum einen sehr privaten Einblick in ihre Lebens- und Gefühlswelt, geht auf Tuchfühlung mit dem Publikum (mit Besucher Bodo fachsimpelt sie über Marathonerfahrungen) und will vor allem eine Botschaft los werden: Die Versöhnung mit dem inneren Kind ist ein wohl lebenslanger Prozess, aber sie lohnt sich. Ebenso wie es lohnt, sich ein kleines Stück der kindlichen Unbeschwertheit auch als Erwachsener zu bewahren. In allen Lebenslagen, die da kommen mögen.

Von Ines Bräutigam

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