Bad Bevenser Gremium ist unsicher, was seine Aufgaben und Kompetenzen sind / Neuwahl steht an

Inklusionsbeirat hadert mit sich

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Ob Nestschaukel im Kurpark, Euro-WC-Schlüssel an den öffentlichen Toiletten oder die Planung des neuen Kurhauses – an diesen und anderen Projekten in Bad Bevensen war der Inklusionsbeirat beratend beteiligt. 

Bad Bevensen. Ein wenig verhalten war die Reaktion, als Maik Fischer die Mitglieder in der jüngsten Sitzung des Inklusionsbeirats der Stadt Bad Bevensen danach fragte, ob sie sich für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stellen werden.

Fischer selbst werde nicht mehr als Vorsitzender des Beirats zur Verfügung stehen, hatte er bereits angemeldet. Und andere Mitglieder verknüpften mit einem Weitermachen unterschiedliche Bedingungen. Ganz offensichtlich hat der Bad Bevenser Inklusionsbeirat Schwierigkeiten mit seinem Selbstverständnis und seinen Kompetenzen.

Maik Fischer.

Seit mehr als zwei Jahren gibt es dieses Gremium, das die Stadt bei der Umsetzung der Inklusion beraten soll. Doch so ganz zufrieden, wie genau das in der Vergangenheit gelaufen ist, waren einige Mitglieder des zehnköpfigen Beirats nicht. So möchte Rüdiger Schlechter als Vertreter des DRK „inhaltlich einiges ändern“. Grundsätzlich wolle er aber weiter mitarbeiten. Carsten Diestel war noch zurückhaltender: Sein weiteres Engagement hänge von der Zusammensetzung des neuen Stadtrats ab. „Man hat ja nicht nur positive Erfahrungen mit einigen Stadtratsfraktionen gemacht“, bedauerte er.

Susanne Gruner hatte gleich mehrere Fragen: „Wie verstehen wir uns? Was verstehen wir als unsere Aufgabe? Wie können wir unsere Argumentationen nach außen erleichtern?“ Aus ihrer Sicht müsse am Selbstverständnis des Inklusionsbeirats noch deutlich gefeilt werden. „Damit wir als Team besser da stehen.“

Der Inklusionsbeirat... 

...der Stadt Bad Bevensen wurde am 27. März 2014 per Satzung beschlossen. Sein Ziel ist es, „die Stadt Bad Bevensen durch Beratung bei der Umsetzung der Inklusion zu unterstützen“. Der Beirat setzt sich aus zehn Mitgliedern zusammen und wird spätestens vier Monate nach Beginn der Kommunalwahlperiode für die Dauer der Kommunalwahlperiode gewählt. Die nächste Wahl muss also bis Ende Februar 2017 erfolgt sein. Fünf der zehn Mitglieder werden aus den Arbeitsgemeinschaften der Bewegung „Bad Bevensen Inklusiv“ (BBI) gewählt. Die anderen fünf sollen nach öffentlicher Aufforderung von Vereinen, Selbsthilfegruppen und anderen Organisationen vorgeschlagen werden. Der Verwaltungsausschuss der Stadt trifft dann eine Vorauswahl, die der Stadtrat beschließt.

Doris Wendland als Vertreterin der AWO haderte mit anderen Dingen. Es gebe sehr wenig Chancen, auf Dinge Einfluss zu nehmen, fand sie. „Es wird hier viel geredet, aber es wird wenig praktiziert. Man kommt nicht zum Zuge.“ Vor allem Vorschläge im Sinne der AWO seien „ignoriert“ worden, war ihr Eindruck. Rüdiger Schlechter sah das allerdings – ebenso wie die übrigen Anwesenden – nicht ganz so und stellte klar: „Wir sind hier ja auch nicht da, um die Interessen unserer eigenen Verbände zu vertreten, sondern um Inklusion zu machen.“ Susanne Gruner ergänzte: „Man darf auch nicht zu schnell zu viel erwarten. Außerdem sind doch viele Dinge umgesetzt worden, die sollte man auch sehen.“
Bürgermeister Martin Feller, der als Zuhörer dabei war, aber künftig auch im Inklusionsbeirat mitarbeiten wolle, munterte die katerähnliche Stimmung auf: „Ich glaube, dass Ihr eines der erfolgreichsten Gremien der Stadt seid!“ Er dankte dem Beirat im Namen der Stadt für die „Super-Arbeit“ und betonte, dass mit verschiedenen Barrierefreiheit-Projekten im Kurhaus, in der Therme und in der Innenstadt durchaus Erfolge zu verzeichnen seien. „Die Inklusionsbewegung hat ein Bewusstsein geschaffen, wie wir es seit Jahrzehnten nicht hatten“, lobte Feller.
So ganz sattelfest fühlen sich die aktuellen Mitglieder trotzdem nicht in ihrem Tun. In einem extern moderierten Treffen wollen sie die zurückliegenden zwei Jahre nun objektiv beurteilen lassen. Und davon den neuen Beiratsmitgliedern berichten, damit diese ihre Inklusionsarbeit darauf aufbauen können.

Von Ines Bräutigam

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Kommentar

Nicht so zaghaft! 

Von Ines Bräutigam

Einer Stadt wie Bad Bevensen, in der Gesundheit, Wohlbefinden und das Zusammenleben vieler unterschiedlicher Menschen groß geschrieben werden, steht ein Inklusionsbeirat gut zu Gesicht. Doch allein zum Selbstzweck darf er nicht bestehen, dann nämlich ist er nicht mehr als so viele andere Arbeitskreise, die einmal gegründet wurden, als man nicht mehr weiter wusste... Also: Themen suchen, konkrete Entscheidungen dazu treffen, der Stadtpolitik entsprechende Vorschläge unterbreiten und: dran bleiben und nicht so zaghaft!


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