„Ich will ja gar nicht sparen!“

Im November vergangenen Jahres demonstrierten Kinder und Eltern schon für den Erhalt der Altenmedinger Grundschule – die Zukunft des Standortes steht wegen sinkender Schülerzahlen in der Diskussion. Archivfoto: Mahler

Altenmedingen - Von Jürgen Köhler-Götze. Es klang schon beinahe nach Verzweiflung, als der Bevenser Samtgemeinderatsvorsitzende Willi Scharnhop gegen Ende der Informationsveranstaltung der CDU zur Schulsituation in Altenmedingen den fast vollständig versammelten Eltern und Lehrern der dortigen Grundschule, die der Politik Sparen am falschen Ende vorwarfen, entgegenrief: „Ich will ja gar nicht sparen!“ Ein Ausruf, der in diesen Zeiten eher selten aus Politikermund zu hören sein dürfte.

„Falsch eingeschätzt“, gestand Scharnhop, habe er das Interesse am Erhalt der Grundschule. Erwartet hatte man seitens der CDU wesentlich weniger Informationshungrige, so dass ein Umzug in den großen Saal des „Altenmedinger Hof“ nötig wurde. Und auch den Zeitbedarf schätzte Scharnhop falsch ein: „Wir wollen ja noch ein bisschen vom Länderspiel sehen.“ Als die Veranstaltung endete, war das längst abgepfiffen.

Die Zeit für die Grundschule Altenmedingen hingegen ist noch nicht abgepfiffen. Zwar steht (wie berichtet) ihre Zukunft zur Debatte, denn weder die Schülerzahlen (derzeit 48) noch die Finanzen der Samtgemeinde, die Trägerin der Schule ist, sehen rosig aus.

Alle drei Grundschulen in der Samtgemeinde Bevensen müssen beim Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht werden. In Altenmedingen wird das rund 600 000 Euro kosten. Wenn dann auch noch energiesparende Maßnahmen durchgeführt werden, würde das weitere 1,5 Millionen Euro kosten, so Scharnhop. Zumindest auf letzteres könne man gut verzichten, entgegnete die parteilose Altenmedinger Ratsfrau Annette Niemann, wenn das ein Schritt dahin sei, die Schule zu erhalten.

Einige Eltern schilderten, sie seien eigens der Schule wegen nach Altenmedingen gezogen, weil die einen guten Ruf genieße. Dafür habe man sich mit dem Hauskauf verschuldet. „Und jetzt sagt man uns: April, April, wir müssen ausgerechnet bei der Bildung sparen?“, fragte eine empörte Mutter.

Ein Mitarbeiter des Herz- und Gefäßzentrums (HGZ) in Bad Bevensen berichtete von seiner Arbeitsgruppe zur Gewinnung von Arbeitskräften für das HGZ. „Potenzielle Mitarbeiter möchten nicht so gerne in Bad Bevensen wohnen und fragen immer als erstes nach den Schulen im Umland.“ Wenn man die Schulen nach und nach schließe, werde es sehr schwer, neue Arbeitskräfte in die Region zu holen.

Wenn die Altenmedinger Schule geschlossen und dann sicherlich auch verkauft wird, gaben andere Stimmen zu bedenken, wo sollen denn dann die anderen Nutzer der Schule bleiben? Wie etwa das DRK, der Posaunenchor oder die Sportvereine, die die schulische Turnhalle nutzen. Noch habe man einen Einzelhändler im Ort und eine Bankfiliale. Die Schließung der Grundschule aber sei ein Schritt, der geradewegs zur Verarmung des Dorflebens führe, hieß es in vielen Diskussionsbeiträgen.

Auch Schulleiter Michael Bornemann verteidigte die Existenzberechtigung der Altenmedinger Schule und berichtete vom jahrgangsübergreifenden Unterricht, den das engagierte Kollegium seit einem Jahr betreibt. Er regte an, die Schule außerhalb der Schulstunden verstärkt für alle Generationen zu öffnen. Das Ansinnen Scharnhops, er habe dafür zu sorgen, dass mehr Schüler seine Schule besuchten, wies er zurück. Die Politik habe die Schuleinzugsbereiche zugeschnitten und die könne sie folgerichtig auch wieder ändern oder weniger starr gestalten. Unter dem schallenden Gelächter der Besucher fügte er hinzu: „Ich als Schulleiter habe nur begrenzte Möglichkeiten, auf die Zahl der Kinder in dieser Gemeinde Einfluss zu nehmen.“

Ortsbürgermeister Werner Marquard (CDU) nahm „als Eindruck mit, dass die Eltern ein starkes Interesse haben, diese Schule zu erhalten“ und bekräftigte, auch er werde für den Erhalt der Schule eintreten. Scharnhop hingegen erklärte, er „habe die Meinung zur Kenntnis genommen – aber ich habe auch eine Meinung“. Er zog es jedoch vor, die Anwesenden über diese Meinung im Dunkeln zu lassen. Damit handelte er sich den Vorwurf der Elternschaft ein, nicht hinter der Schule zu stehen.

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