Investor ist insolvent / Inklusionsprojekt geplatzt

Hotel "Vier Linden": NBank fordert 50.000 Euro Zuschüsse zurück

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Das Hotel „Vier Linden“ sollte Bestandteil eines Inklusionsprojekts werden – daraus wird nun nichts.

Bad Bevensen. Er hatte das einstige Hotel „Vier Linden“ 2013 ersteigert, um es zu einem behindertengerechten Übernachtungs- und Gastronomiebetrieb umzubauen.

Igor Grygiel

Doch daraus wird nichts mehr: Über das Vermögen des Investors Igor Grygiel wurde am 17. März das Insolvenzverfahren eröffnet. Eine Gläubigerversammlung habe ergeben, dass jetzt ein neuer Käufer für das „Vier Linden“ gesucht werden soll, sagt Grygiel gestern auf Nachfrage der AZ.

Der heute 35-Jährige hatte damals auch die ehemalige Pension „Haus Bremen“ im Ilmenautal in Bad Bevensen gekauft. Beide Häuser wollte er zusammen mit einem landwirtschaftlichen Anwesen in Strothe zu einem Gesamtkonzept für integriertes Wohnen und Arbeiten verknüpfen. Nach ersten Sanierungsarbeiten standen die Bauten jedoch sehr bald still. Rund vier Millionen Euro wollte Grygiel in das Projekt investieren, bis zu 40 Arbeitsplätze schaffen.

Die Investitions- und Förderbank des Landes Niedersachsen (NBank) hatte Grygiel, wie berichtet, 517 000 Euro Fördermittel für das Projekt bewilligt. 50 000 Euro davon seien ausgezahlt worden, sagt NBank-Pressesprecher Bernd Pütz auf AZ-Anfrage. Im Zuge des üblichen Rechtsverfahrens habe man diese Forderung angemeldet und müsse nun abwarten.

„Vier Linden“ und „Haus Bremen“ stehen zum Verkauf

Die Natur ergreift immer mehr Besitz vom „Vier Linden“. Aus den Fugen quillt das Unkraut, auch Terrassen und Hof des einstigen Hotels in Medingen werden allmählich überwuchert. Das ehemalige Vier-Sterne-Haus hat schon bessere Tage gesehen. Doch seine Zukunft ist mit der Insolvenz des Eigentümers Igor Grygiel ungewisser denn je.

Dass sein an dieser Stelle geplantes Integrationsprojekt nun geplatzt und er pleite ist, daran gibt der 35-Jährige vor allem den Behörden die Schuld. „In Sachen Inklusion gibt es überall noch viel Nachholbedarf und dementsprechend Unstimmigkeiten mit den Behörden“, sagt er gestern auf AZ-Nachfrage. Grygiel ist selbst gehandicapt, leidet an cerebralen Bewegungsstörungen. In der Theorie, moniert er, werde das Thema Integration und Inklusion hoch gehängt. „Aber in der Praxis hapert es an sehr vielen Stellen.“ Was er ganz konkret kritisiert? „Die richtige Antragsbearbeitung“, antwortet er, „bei der NBank, beim Integrationsamt in Hildesheim oder auch beim Arbeitsamt.“

Insgesamt vier Millionen Euro wollte Grygiel in das Inklusionsprojekt investieren. Ob er sich am Ende nicht doch finanziell übernommen hat? „Nein“, sagt er, „die erforderliche Eigenkapitalquote habe ich als Investor eingebracht.“ Wie es nun alles weitergehe, wisse er auch noch nicht.

Auch das ehemalige „Haus Bremen“ sollte zum Inklusionsprojekt gehören.

Im „Vier Linden“ hatten mindestens 30 rollstuhlgerechte Zimmer entstehen sollen, in der Pension „Haus Bremen“ etwa 18. Zudem war in dem ehemaligen Medinger Hotel ein Bistro- und Restaurantbereich geplant, der eigentlich im Dezember 2013 schon hatte eröffnet werden sollen. Doch auch damals lief es nicht rund: Die Eröffnung wurde auf März/April 2014 verschoben, weil die Arbeiten am Fachwerk aufwendiger gewesen seien als zunächst absehbar, hatte Igor Grygiel damals erklärt. Auch das vorgesehene Budget, räumte er ein, sei damit nicht mehr zu halten gewesen. Das Projekt sei damit aber nicht gefährdet, versicherte er damals.

Noch Mitte vergangenen Jahres hatte der Landkreis Uelzen, wie berichtet, Verhandlungen mit Grygiel geführt, um in dem ehemaligen Hotel 120 Asylbewerber unterzubringen. Dazu kam es jedoch nicht, da der Eigentümer laut Landkreis Angebotsfristen nicht eingehalten hatte.

Von Ines Bräutigam

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