Bad Bevensen unternimmt Zeitreise in das Jahr 1871 / Schauspieler und Gäste aus ganz Deutschland

Ein „Hoch“ auf den Kaiser

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Ein „Hoch“ auf den Kaiser: Die Ankunft der Schauspieler am Bahnhof war das Highlight der Veranstaltung.

nk Bad Bevensen. Kaiserwetter als es zum neunten Mal in Bad Bevensen hieß „Der Kaiser kommt“.

Weit über tausend Gäste, die zum Teil aus Nordrhein-Westfalen, Hannover, Göttingen, Berlin, Schleswig-Holstein, Thüringen, Baden-Württemberg und aus den umliegenden Landkreisen angereist waren, wurden für einige Stunden zurückversetzt in das Jahr 1871. Mehr als zweihundert militärische und zivile Darsteller nahmen die Zuschauer mit auf eine Zeitreise – und zwar kostenfrei. Im Wilhelmsgarten am Bevenser Bahnhof herrschte Volksfeststimmung. Mit 103 Jahren wurde Eleonore Kastner aus Berlin als ältester Gast gefeiert und erhielt viel Beifall, als sie noch ein Gedicht mit mehreren Strophen aufsagte.

Während Manfred Paul Schulze als Hauptmann Schulz aus Berlin durch das achtstündige Programm führte und auch Darsteller vorstellte, gab Hans-Jürgen Betzholz als Bürgermeister Leopold Kempe von 1871 einen geschichtlichen Ablauf. Wie war das denn vor fast 150 Jahren? Er drehte das Rad der Geschichte bis in das Jahr 1865 zurück. Erinnerte an den früheren König von Hannover, Georg V, der nach dem verlorenen Krieg ins Exil ging. Hamburg war noch nicht an die Eisenbahn angeschlossen, die Verbindung von Hannover endete in Harburg. Auch war es nicht einfach für die Lokführer an der richtigen Stelle anzuhalten. So hatte Kaiser Wilhelm I einen weiten Weg von Berlin über Stendal nach Bevensen und mit der Kutsche weiter zu seinem Jagdschloss Göhrde. Historisch präsentierte in diesem Jahr die Schützengilde Lüchow das Wendland. Der Eisfelder Spielmannszug in thüringischen Uniformen war im Dauerspieleinsatz. Als der Zerbeliner Reitermarsch erklang – „Wir wollen unsern alten Kaiser Wilhelm wieder haben“ – war es soweit: Der Kaiser nebst Gemahlin Augusta in Begleitung des Kronprinzen Wilhelm von Preußen und Gemahlin Victoria und weiteren königlichen Hoheiten wurden von Betzholz vorgestellt und unter Hochrufen willkommen geheißen. Zuvor hatte Betzholz an Details aus der Geschichte erinnert. Nach der Abnahme der Parade ging es in den Wilhelmsgarten.

Der Festumzug durch die Stadt endete am Kirchplatz. Dort wurde ein Denkmal enthüllt und ein Kranz niedergelegt. Zurück im Wilhelmsgarten folgte das Programm: Eine Schulstunde anno 1870 konnte miterlebt werden, es gab eine Modenschau historischer Gewandungen mit einer kleinen Theatervorstellung, Ausführungen zu Uniformen, einen Scherenschnitt ließ sich mancher Gast von seinem Konterfei fertigen, der Waffenmeister der Festung Ehrenbreitstein Koblenz demonstrierte alte Waffen und die Salonlöwen und Hupfdohlen sind aus dem Programm mit ihren Tanzdarbietungen nicht wegzudenken. Doch wo bekommen die Darsteller all die Utensilien her? Schneiderinnen, Schmuckhersteller und ein Hersteller von historischen Pickelhauben boten Waren an. Eine Hingucker war eine mechanisch angetriebene Kutsche mit der auch Rundfahrten angeboten wurden.

Viel Beifall erhielt die Reiterstaffel unter der Leitung Fiona Alt aus Bad Bodenteich in ihren historischen Uniformen. Salutschützen aus Uelzen schossen fünfmal und beim letzten Treffer brannte es. Die historische Feuerwehr Rosche-Prielip rückte mit ihrer Handdruckspritze an und löschte in schweißtreibender Arbeit den Brandherd. Für die Zuschauer interessant, daneben stand ein modernes Löschfahrzeug der Bad Bevenser Wehr.

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