Heisere Puschelmützen

Die Teilnehmer mit den krähfreudigsten Hähnen freuten sich über Pokale.

Bad Bevensen - Von Jürgen Köhler-Götze. Seit 40 Jahren treten am Pfingstsonntag am Bad Bevenser Kurhaus die Hähne zum Wettkrähen an. „Wir machen das für die Bevensen-Besucher“, sagt Hans-Jürgen Drögemüller vom Geflügelzuchtverein. Die kommen oft aus Großstädten und kennen Hühner und Hähne vor allem aus dem Fernsehen, geschweige denn, dass sie eine Ahnung hätten von der Vielfalt des Geflügels.

Auch diesmal gibt es erstaunliche Exemplare zu bewundern: Seidenhähne mit Puschelmützen auf dem Kopf, Großhähne, die Beinkleider aus Federn tragen, in allen Regenbogenfarben schillernde Schwänze und nicht jeder Kamm eines Hahnes ist einfach nur rot. Eine Stunde lang krähen die Hähne um die Wette, jeder Hahnenschrei wird von Kampfrichtern penibel registriert. In der Regel sind die Kleinhähne krähfreudiger als ihre großen Kollegen, „aber wir haben auch schon einen Großhahn gehabt, der in einer Stunde 200 Mal gekräht hat.“ Dennoch wird in zwei Kategorien gewertet, Großhähne und Kleinhähne voneinander getrennt.

Bei den Kleinhähnen legt sich ein schwarz-weißer Phoenix mit prächtigem langem Schwanz mächtig ins Zeug und gilt schon nach einer halben Stunde als einer der Favoriten auf den Gesamtsieg. Andere Hähne sind so unsicher in der ungewohnten Umgebung, dass sie sich auf nervöses Scharren in ihren Käfigen verlegen und sicherheitshalber den Schnabel halten.

Doping funktioniert bei den Hähnen nicht. Von der früher bei der Landjugend beliebten Unsitte, mit Schnaps getränkte Körner an das Federvieh zu verfüttern, halten die Geflügelzüchter gar nichts. Das bringe die Hähne zwar zum Krähen, „aber nur höchstens ein halbe Stunde, danach pennen die ein.“ Zudem sei das Tierquälerei. Man könne bestenfalls künstlich die Nacht verlängern und die Tiere bis kurz vorm Wettkrähen im Dunkeln halten, damit sie nicht vorher anfangen. Aber auch das ist den Züchtern zu stressig. Denn es soll vor allem eine Veranstaltung sein, die den Besuchern Freude macht. Die haben ihren Spaß an den heiseren oder überschnappenden Krähern der Hähne.

Bei den Zwerghähnen siegte ein Zwerg-Vorwerkhahn von Jelina Behn aus Suderburg mit 79 Krährufen. Bei den Großrassen setzte sich mit 80 Krährufen ein Japanischer Seidenhahn von Hans-Jürgen Drögemüller aus Böddenstedt an die Spitze. Die Jury ermittelte als schönsten Hahn einen Lakenfelder von Christoph Piep aus Hösseringen und als schönsten Zwerghahn einen Japanischen Chabo von Ursula Jauss aus Langendorf.

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