Neue Vermarktungsgesellschaft und Fleischerei Hencke wieder Hand in Hand

Neuland-Fleisch: „Gute Perspektiven, zu wachsen“

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Freuen sich über den gelungenen Neustart und blicken zuversichtlich in die Zukunft (von links): Sprecher des Neuland-Vereinsvorstands Jochen Dettmer, Vereinsvorsitzender Professor Dr. Hubert Weiger, Fleischer Andreas Hencke sowie Bastian Ehrhardt von der neuen Vermarktungsgesellschaft „Artgemäß GmbH & Co. KG“.

Bad Bevensen. Am 1. März 2008 hatte Andreas Hencke die ersten Neuland-Fleischwaren in seine Theke gelegt. Ende 2015 nahm er sie dann wieder heraus.

Denn die Insolvenz der Neuland-Vermarktungsgesellschaft direkt nebenan (AZ berichtete ausführlich) hatte den Inhaber der seit 145 Jahren in Bad Bevensen bestehenden Fleischerei in so mancher Nacht den Schlaf gekostet: „Wir dürfen da nicht mitgerissen werden“, sagte sich Andreas Hencke damals und ging zunächst auf Distanz. Denn viele unterschieden nicht zwischen Neuland und Hencke. Obwohl der Traditionsbetrieb lediglich schlachtete für das Qualitätsfleisch-Programm, das sich besonders artgerechte Tierhaltung auf die Fahnen geschrieben hat.

Trotz aller Bemühungen war die Neuland-Vertriebsgesellschaft damals nicht zu retten. Am 31. Dezember 2015 schloss der Betrieb am Eppenser Weg für immer seine Tore, verloren die rund 100 beteiligten Landwirte insgesamt etwa eine halbe Million Euro. Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Bastian Ehrhardt gründete gemeinsam mit Martin Schulz die „Artgemäß GmbH & Co. KG“ als eine Art Auffanggesellschaft, die inzwischen vielversprechend läuft. Ehrhardt war gestern gemeinsam mit dem Vorstandssprecher des Neuland e.V., Jochen Dettmer, und dessen Vorsitzenden Professor Dr. Hubert Weiger in Bad Bevensen, um Andreas Hencke Dank zu sagen. Dank für das Vertrauen in Neuland, in die neue Gesellschaft und ihre Arbeit.

Denn die von Neuland zertifizierte „Artgemäß“-Gesellschaft durfte bei Hencke am Bevenser Fliegenberg mit einem kleinen Büro „unterkriechen“, sagte Ehrhardt. Der einstige Standort gleich nebenan steht leer, soll in Kürze zwangsversteigert werden. Außerdem schlachtet Hencke nach wie vor die Neuland-Tiere, sodass die Vermarktung nahtlos weiterlaufen konnte. Und ab August, verrät Andreas Hencke, will er zumindest erst einmal auf Vorbestellung auch wieder Neuland-Fleisch verkaufen. Auch Hubert Weiger würdigte dieses Vertrauen des Bevensers ausdrücklich, „dass Herr Hencke sagt: Das ist ein Anfang, der glaubwürdig ist“.

Die „Artgemäß GmbH & Co. KG“ kommt deutlich schlanker daher als ihre insolvent gegangene Vorgängerin. Von den 30 Mitarbeitern seien drei geblieben, berichtete Bastian Ehrhardt. Die Buchhaltung werde von externen Dienstleistern erledigt, in Räumen auf seinem eigenen Bauernhof in Gifhorn. Statt eines eigenen Fuhrparks wird mit Speditionen zusammengearbeitet, und auch die Kooperation mit den anderen beiden Neuland-Vermarktungen in Deutschland sei intensiviert worden. Ganz neue Strukturen gebe es jetzt auch in der Qualitätskontrolle, die den Weg des Neuland-Tiers vom Stall in die Fleischer-Theke penibel überwacht – eine Kontrolle der Kontrollkette wurde sozusagen eingeführt.

Ehrhardt, Weiger und Dettmer hoffen nun, dass weitere Menschen, so wie Andreas Hencke, neues Vertrauen in das Neuland-Programm fassen mögen. Fleischer wie Landwirte. „Es gibt gute Perspektiven, wieder zu wachsen“, ist Bastian Ehrhardt überzeugt. Und Professor Weiger betont: „Wir wollen keine kleine Nische sein, sondern das Signal setzen: Es gibt einen Weg, der bäuerliche Betriebe auch ökonomisch sichert.“

Von Ines Bräutigam

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