Kindergarten-Kooperation, die Zweite: Auch Ebstorf, Emmendorf und Natendorf machen mit

Gleiche Betreuung – gleiche Kosten

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Machen gemeinsame Sache bei der Kinderbetreuung (von links): Bad Bevensens Bürgermeister Martin Feller, Ebstorfs Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf, Barums Bürgermeister Hermann Kalinowski, Bad Bevensens Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer, Ebstorfs Bürgermeister Uwe Beecken, Jelmstorfs Bürgermeister Norbert Brandl und Emmendorfs Bürgermeister Uwe Silbermann. Es fehlt Natendorfs Bürgermeister Hans-Wilhelm Schröder.

Bad Bevensen. Als die Gemeinden Barum und Jelmstorf im September 2013 entschieden hatten, bei der Kinderbetreuung in den Kindergärten mit der Stadt Bad Bevensen zu kooperieren, trudelten gleich mehrere Dankesbriefe von Müttern im Bad Bevenser Rathaus ein.

Den Familien, vor allem Alleinerziehenden, wurde damit die Betreuung ihrer Sprösslinge deutlich vereinfacht. Gestern nun wurde die im ersten Schritt gelungene Kooperation erweitert: Auch die Gemeinden Natendorf, Emmendorf und der Klosterflecken Ebstorf sind nun mit im Boot.

Für Bad Bevensens Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer „eine richtungsweisende Entscheidung“ und auch ein Signal an alle anderen Mitgliedsgemeinden. „Es wäre schön, wenn alle mitmachen würden“, sagt Kammer gestern bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags. Denn die Kooperation zwischen den Kindergärten schaffe gleiche Rahmenbedingungen für alle Eltern. Bislang ist es nämlich so, dass Eltern, die ihre Kinder nicht in der eigenen Gemeinde in den Kindergarten schicken, woanders den Höchstsatz zahlen müssen. „Das war für Eltern mit normalem Menschenverstand nicht verstehbar“, so Kammer.

Damit war vor allem Bad Bevensens Bürgermeister Martin Feller in seiner Sprechstunde konfrontiert worden. „Es gab da viele Elternanfragen“; sagt er und brachte schließlich die Initiative für eine Betreuungskooperation ins Rollen.

In der Praxis sieht das dann so aus: Während der Kindergarten in Bad Bevensen „aus allen Nähten platzte“, so Feller, stand jener in Barum zeitweise fast leer. Durch die Vereinbarung, den Elternbeitrag auch gemeindefremder Kinder in die übliche Sozialstaffel einzuordnen, habe sich das schnell geändert, sagt Barums Bürgermeister Hermann Kalinowski. „Wir haben davon profitiert, es sind jetzt wirklich mehr Kinder da.“

Auch der Kindergarten in Jelmstorf sei voll ausgelastet, sagt Bürgermeister Norbert Brandl. Kooperiert werde auch mit Bienenbüttel. Bedenken, die es in anderen Gemeinden noch geben möge, hält er für unbegründet. Da heiß es nämlich, man habe den Kindergarten doch von gemeindlichen Steuergeldern gebaut und lasse „fremde“ Kinder davon profitieren, während deren Gemeinde „spare“. „Aber letztlich sind die kleinen Kindergärten doch froh um jedes Kind, das sie bekommen“, meint Brandl. Das schließlich sichere auch den Erhalt der Einrichtungen in der Fläche.

Emmendorfs Bürgermeister Uwe Silbermann macht da noch eine ganz andere Rechnung auf. „Eigentlich müsste das Land die Betreuung kostenfrei machen“, betont er. In der Emmendorfer Kindergartengruppe mit 25 Mädchen und Jungen seien lediglich noch ein Drittel Emmendorfer Kinder. Die Einrichtung sei vor allem bei Berufspendlern zwischen Uelzen und Bad Bevensen beliebt, viele Kinder kämen aus der Kurstadt oder Molzen zum Beispiel, so Silbermann.

Auch Ebstorfs Bürgermeister Uwe Beecken schlägt mahnende Töne in Richtung Land an. „Es sollte eigentlich mal die Regelung geben, dass die Betreuungskosten zu je einem Drittel von Land, Kommunen und Eltern getragen werden“, sagt er, „davon sind wir aber schon lange weg.“

In den Kindergärten jedenfalls werde bereits händeringend darauf gewartet, dass die Gemeinden sich untereinander verständigten, berichtet unterdessen Lothar Jessel, Bevensen-Ebstorfs Ordnungsamtsleiter und in der Verwaltung zuständig für den Bereich Kindergärten. „Vor allem in Natendorf wartet man schon seit einem Jahr auf diese Kooperation.“

Dass die Überwindung eines möglichen „Kirchturmdenkens“ auch in anderen Gemeinden stattfinden möge, daran appelliert Hans-Jürgen Kammer ganz deutlich. Die frühzeitige Einbindung von Kindern in soziale Strukturen sei heute von großer Bedeutung, weswegen Eltern die Unterbringung in Betreuungseinrichtungen möglichst einfach gemacht werden sollte. „Da muss man auch mal über seinen Schatten springen.“

Von Ines Bräutigam

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