Lebensrettertag in Himbergen zeigt, wie jeder anderen in Notsituationen helfen kann

Es gibt keine falsche Erste Hilfe

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„Lebensrettertag“ in Himbergen: Jürgen Blaszkowski und seine Frau Gabriele spenden regelmäßig Blut, seit er nach einem Unfall eine Bluttransfusion erhielt.

Himbergen. Der Schock steht Jürgen Blaszkowski noch ins Gesicht geschrieben, wenn er an jenen Tag im Jahr 1998 denkt, an dem ihn ein Bus anfuhr und ihm infolge schwerer innerer Verletzungen plötzlich jede Menge Blut fehlte.

„Es fühlt sich an wie ersticken“, erzählt er, während er zusieht, wie sein Blut in einen dünnen Schlauch übergeht. Blaszkowski ist Spender, seit ihm eine schnelle Bluttransfusion das Leben rettete.

Die Botschaft schwebt über Allem beim „Lebensrettertag“ am Sonntag rund um das Feuerwehrhaus in Himbergen: Jeder kann einem anderen eine Chance auf Leben geben – ob mit einer Blutspende, als Mitglied der Feuerwehr, als Stammzellenspender oder Ersthelfer am Unfallort.

Zu letzteren will auch Madlena Trzaska zählen. Mit vollem Körpereinsatz übt sie die Herz-Druck-Massage an einer Reanimations-Puppe im Zelt des DRK. Die 15-Jährige pumpt, Experte Rüdiger Schlechter erklärt. „Man kann keine falsche erste Hilfe leisten. Nur, wenn man keine leistet, ist es falsch.“ Ginge es nach Schlechter, würden die „Basics“ – so nennen sich die Maßnahmen, mit denen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes der Blutfluss zu Herz und Gehirn gesichert werden – alle zwei bis drei Jahre geübt.

Einen Meter weiter: Popkorn-Verkauf. Leonie Schäfer befüllt die Tüten gegen eine Spende für den Transplant-Kids-Verein aus Bienenbüttel, der Freizeiten für organtransplantierte Kinder und Jugendliche organisiert. Die 18-Jährige hat selbst oft an diesen Veranstaltungen teilgenommen. Drei Tage vor ihrem ersten Geburtstag wurde ihr ein fremdes Herz eingesetzt – nach acht Monaten auf der Warteliste stand fest, dass sie den überlebensnotwendigen Eingriff bekommen würde. Ihr Körper hat das Herz des fremden Säuglings akzeptiert, dennoch muss sie Medikamente nehmen, die die Immunabwehr unterdrücken. Zu Schulzeiten, erinnert sich Leonie Schäfer, sei sie darum oft krank gewesen und froh, sich bei den Transplant-Kids mit Gleichaltrigen mit einer ähnlichen Geschichte austauschen zu können.

Plötzlich ein lauter Knall! Draußen auf der Wiese vor dem Zelt steigt Rauch in den Himmel. Ortsbrandmeister Sven Lühr präsentiert den Besuchern auf einem Handschuh die winzigen, verbogenen Überreste einer Deo-Flasche, die er soeben unter Druck hat platzen lassen. Deshalb, so Lühr, sollten Spraydosen im Sommer aus dem Auto entfernt werden.

Die siebenjährige Johanna hört aufmerksam zu. Vielleicht, verrät sie, wolle sie bald bei der Kinderfeuerwehr in Himbergen eintreten. Bei Christian Müller und Michaela Lühr lernen die Jüngsten unter anderem, wie ein Notruf richtig abgesetzt wird. Ein Kind aus der Gruppe hat auf diese Weise vor einiger Zeit seinem Vater nach einem Unfall das Leben retten können.

Von Anna Petersen

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