Experten berichten von Erfahrungen: Info-Abend im Kurhaus Bad Bevensen

Geothermie – eine Chance

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wb Bad Bevensen. „Viele haben noch gar nicht verstanden, was für eine Riesenchance das für Bad Bevensen ist“, sagt Uwe Winter, Geschäftsführer der Kurgesllschaft und der Bad Bevensen Marketing (BBM).

Die Rede ist von dem Projekt Geothermie, das derzeit in der Kurstadt angeschoben wird (die AZ berichtete). Am Montag, 9. Juli, lädt die Kurgesellschaft darum zusammen mit dem Verein für Tourismus und Wirtschaft zu einer Informationsveranstaltung in das Kurhaus ein. Beginn ist um 18. 30 Uhr.

Bereits im vergangenen Jahr hat der Stadtrat Bad Bevensens sich offiziell dafür ausgesprochen, den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern. Eine Machbarkeitsstudie, die klären soll, ob die engergiebringenden Bohrungen in der Kurstadt möglich sind, läuft gerade. Gefördert werden diese Untersuchungen, deren Kosten auf 250 000 Euro geschätzt werden, mit bis zu 272 826 Euro vom Land Niedersachsen (AZ berichtete).

Gerade Süddeutschland ist heute die Schlüsselregion in Deutschland für Technologieentwicklung rund um die Tiefengeothermie. „Aus diesem Grund wollen wir auch anhand konkreter Beispiele aufzeigen, welche Chancen, aber auch welche Risiken in der Geothermie für Bad Bevensen stecken“, sagt Rolf Behn. Der Verein für Wirtschaft und Tourismus, dem Rolf Behn vorsitzt, und die Stadt Bad Bevensen haben deshalb Vertreter der wichtigsten Tiefengeothermieprojekte Bayerns in die Kurstadt eingeladen, damit sich Interessierte über das Thema eine Meinung bilden können. Moderiert wird der Abend vom Chefredakteur der AZ, Andreas Becker, der auch die Podiumsdiskussion leiten wird.

Aus Unterhaching wird Kai Imolauer, Diplom Wirtschaftsingenieur bei Rödl & Partner, über eine der tiefsten Geothermalbohrungen in Deutschland berichten. Aus 3300 Meter Tiefe werden bis zu 150 Liter pro Sekunde Thermalwasser gewonnen. Des Weiteren ist dort das System der Wärme- und Stromversorgung zum ersten Mal gleichzeitig verwirklicht. Aktuell beliefert das Fernwärmenetz der Geothermie Unterhaching mehr als 5000 Haushalte mit Strom und Wärme. Für viele Kunden, die mit Öl heizen, lohnt sich der Umstieg auf Fernwärme bereits nach ein bis zwei Jahren.

Dr. Ralph Baasch stellt die Geothermie in Pullach vor. Nachdem die beiden Bohrungen in der Rekordzeit von nur neun Monaten niedergebracht worden waren, folgte im Sommer 2005 die Fertigstellung der Energiezentrale. In rascher Folge wurden die meisten der in Frage kommenden Großabnehmer angeschlossen: Freizeitbad, Gymnasium, Rathaus, Grund- und Hauptschule. Mehr als 1000 Haushalte werden heute von einem 18 Kilometer langen Netz versorgt.

Alois Gabauer referiert über die Geothermie in Erding. In der Kreisstadt Erding, rund 36 Kilometer nordöstlich von München, wurde 1983 bei Suchbohrungen zur Erschließung von Ölvorkommen in einer Tiefe von 2350 Metern eine 65˚C heiße Thermalwasserquelle entdeckt. Unter Zugrundelegung des Anteils der Geothermie an der verteilten Wärme werden rund 10 Prozent der Erdinger Bevölkerung ausschließlich aus Geothermie mit Wärme versorgt.

Kosten würde die Umsetzung des Projekts in Bad Bevensen rund zehn Millionen Euro – gerechnet wird mit Einsparungen von etwa 900 000 Euro durch das Heizen mit Erdwärme in den drei Großabnehmern im Jahr.

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