Geothermie in Bad Bevensen: Wriedeler Experte nimmt zu Kritik Stellung

Gefahr „gleich Null“

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Symbolfoto

Bad Bevensen/Wriedel. 1967 war er als Praktikant dabei, als in Bad Bevensen nach Sole gebohrt wurde. Heute verfolgt Dieter Schleuter mit Spannung die Geothermie-Pläne der Kurstadt.

Auf 40 Jahre Erfahrung in den Bereichen Bohrtechnik und Brunnenbau kann der 1939 geborene Diplom-Ingenieur zurückblicken – er ist sich in Bezug auf die Bad Bevenser Vorhaben sicher: „Man kann davon ausgehen, dass das Gefahrenpotenzial, das von einer solchen Bohrung ausgehen würde, gleich Null ist“, sagt der Fachmann, der seit 2006 in Wriedel lebt.

Bad Bevensen möchte künftig Energie aus Erdwärme nutzen – wenn Aufwand und Ertrag im richtigen Verhältnis stehen. Nach derzeitigen Berechnungen würden die beiden Bohrungen, über die die heiße Sole aus dem Erdreich gefördert und dann genutzt werden soll, mehr als zehn Millionen Euro kosten. Drei Abnehmer für die Energie aus dem Erdreich stünden bereit: die Jod-Sole-Therme, die Diana-Klinik sowie das Herz- und Gefäßzentrum (HGZ) haben Interesse angemeldet.

In dem ersten Teil einer von der Stadt in Auftrag gegebenen, 250 000 Euro teuren Machbarkeitsstudie haben Experten inzwischen anhand seismographischer und geologischer Daten nachgewiesen, dass die Versorgung der drei Interessierten über eine 1500 Meter tiefe Bohrung möglich wäre. Eine tiefere und damit teurere Bohrung könnte aufgrund von höheren zu erwartenden Temperaturen sogar Stromerzeugung über Erdwärme möglich machen. Die Wirtschaftlichkeit beider Varianten wird derzeit geprüft.

Während die einen die Ergebnisse der Studie positiv bewerten, melden Kritiker Bedenken an – in erster Reihe die Fraktion Bürger für Bad Bevensen (BfB). Sie weist auf Gebäudeschäden hin, die bei Geothermiebohrungen in Baden-Württemberg und der Schweiz aufgetreten seien. Anmerkungen, die Dieter Schleuter zurückweist: Die von der BfB vorgebrachten Bedenken seien mit dem geplanten Geothermieprojekt Bevensen nicht vergleichbar. „Denn hier wird ein ‘Brunnen’ mit einer Tiefe von geplanten 1500 Metern gebohrt, aus dem natürlich zufließendes Thermalwasser beziehungsweise Sole mit einer Temperatur von 80 Grad und mehr gefördert wird“, nennt der Diplom-Ingenieur ein Beispiel. „Diesem Wasser wird dann über Tage durch Wärmetauscher die geothermische Energie, also Wärme entzogen und den Verbrauchern zugeführt.“ Das Wasser aus dem Rücklauf würde dann über eine Injektionsbohrung wieder zurückgeführt. Dabei sei zwar auch ein gewisser Druck – unter Umständen 10 bis 20 bar – erforderlich. Dieser sei aber nicht vergleichbar mit den Projekten, bei denen die genannten Gebäudeschäden entstanden seien. „Die Bohrtechnik ist inzwischen so gut, dass auch die vorgeschriebenen Werte hinsichtlich der Emissionen eingehalten werden“, erklärt der Wriedeler. „Man muss die nächsten Anwohner aber natürlich mitnehmen und rechtzeitig informieren.“ Derzeit wird – falls es denn zu Bohrungen kommt – ein Bohrplatz nahe des HGZ favorisiert.

Von Wiebke Brütt

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