Bad Bevensen Marketing (BBM) kooperiert auf neuer Internetseite mit „Amazon“

WBB wütend: „Fällt Händlern in den Rücken“

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Wer im „Bad Bevensen Webshop“ der BBM etwas kaufen möchte, landet beim Online-Versandhandel „Amazon“.

Bad Bevensen. „Das ist ein absolut unhaltbarer Zustand. “ Der Blick auf die neue Internetseite der Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM) lässt WBB-Ratsherr Dr. Johann-Henrich Vietor richtig wütend werden.

Die BBM bietet dort nämlich einen Online-Shop für Bücher, Wanderkarten, Freizeitführer im Zusammenhang mit der Lüneburger Heide an. Und wer darauf klickt, wird zum Online-Versandhandel „Amazon“ weitergeleitet.

Dr. Johann-Henrich Vietor.

„Das finde ich völlig unmöglich“, schimpft Vietor. „Die WBB sieht darin einen groben Verstoß im Verhalten gegenüber unseren hiesigen Einzelhändlern: Unsere Buchhändler zahlen Gewerbesteuer und Fremdenverkehrsbeitrag, wir werben mit der 1A-Einkaufsstadt. Im gleichen Atemzug macht die städtische BBM, die auch von dem Geld der Einzelhändler bezahlt wird, Reklame für die Konkurrenz und fällt damit unseren lokalen Händlern in den Rücken.“ So gehe es nicht. Und deshalb fordert die WBB, „diese absurden Links zu ‘Amazon’ zu löschen“, so Vietor.

Björn Eichner, der von der Glücksburg Consulting AG (GLC) mit der Geschäftsführung der BBM beauftragt ist, erklärt auf AZ-Nachfrage: „Diese Lösung ermöglicht uns alle Warengruppen ohne Risiko ausprobieren zu können, darüber zu sehen, was auch vor Ort gut ankommen würde und damit sukzessive ein eigenes, funktionierendes Portfolio aufzubauen.“ Die BBM habe zurzeit keine eigenen Ressourcen dafür.

Auf verschiedenen Gremiensitzungen habe man das Vorhaben mit der neuen Internetseite präsentiert, sagt Eichner. Allerdings: „Zu keinem Zeitpunkt ist jemand mit entsprechenden Angeboten auf uns zugekommen.“ Die Entscheidung für die jetzige Lösung – für die „Amazon“ übrigens Provision zahlt –, sei dann von zwei BBM-Aufsichtsräten, zwei Mitarbeitern der Samtgemeinde-Verwaltung, einem externen Berater und einer Mitarbeiterin getroffen worden. Eichner selbst habe ohne Stimmrecht den Auswahlprozess moderiert.

Die Zusammenarbeit mit einem einzelnen Buchhändler hätte laut Eichner nur andere verärgert und „auch nur das Angebot von Büchern gewährleisten“ können. Für den Vor-Ort-Verkauf plane die BBM aber auch die Kooperation mit örtlichen Betrieben.

Matthias Richter.

Matthias Richter, dessen Frau die Bevenser Buchhandlung Paff betreibt, und Isolde Zimmermann von der gleichnamigen Buchhandlung sind entsetzt über die Entwicklungen. Ebenso die Werbegemeinschaft, wie deren Sprecher Friedrich-Wilhelm Sündermann der AZ erklärt. Sie alle sagen: Man sei nie in dieser Sache von der BBM angesprochen worden. Dabei wäre durchaus eine Softwarelösung möglich gewesen, die beide Bevenser Buchhändler in die BBM-Seite eingebunden hätte, betont Matthias Richter, der selbst lange als Webdesigner gearbeitet hat. Doch was ihn richtig ärgert: „Dass hier steuerfinanziert an den lokalen Händlern vorbeigewirtschaftet wird. Da fehlt es an jeglicher gesellschaftlichen Verantwortung und Vernunft!“

Von Ines Bräutigam

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