„Empfinde es als demütigend“

Die Auseinandersetzung zwischen Ute Bautsch-Ludolfs und dem Bevenser Kirchenvorstand eskaliert.

Bad Bevensen - Von Ines Bräutigam. Die Auseinandersetzung zwischen der Kirchenmusikerin Ute Bautsch-Ludolfs und Mitgliedern des Kirchenvorstandes der Dreikönigskirchengemeinde geht in die nächste Runde: Kirchenvorstandsvorsitzender Hermann-Georg Meyer und Gerhard Becker vom Personalausschuss im Kirchenvorstand haben der Kantorin am Montag persönlich ein Schreiben übergeben, in dem sie ihr den Beschluss des Kirchenvorstandes mitteilen, dass Bautsch-Ludolfs mit sofortiger Wirkung unter Weiterzahlung der Vergütung vom Dienst freigestellt wird. Außerdem soll sie bis Freitag, 9 Uhr, alle in ihrem Besitz befindlichen Schlüssel der Kirchengemeinde im Kirchenbüro abgeben.

Anlass für diesen Schritt sind Äußerungen der Kirchenmusikerin in einem AZ-Artikel vom 26. Juni. Ute Bautsch-Ludolfs habe darin den Kirchenvorstand des Mobbings geziehen und dessen Vorsitzenden Hermann-Georg Meyer persönlich angegriffen. In einer Abmahnung vom Januar hat der Kirchenvorstand bereits derlei Vorwürfe aus dem Munde der Kantorin gerügt und verwahrt sich nach wie vor gegen diese Angriffe, wie aus dem Schreiben hervor geht. „Sie sind nicht zu rechtfertigen, da sie nicht der Wahrheit entsprechen“, heißt es da.

Nach den Äußerungen Bautsch-Ludolfs sieht der Kirchenvorstand keine Möglichkeit einer gedeihlichen Zusammenarbeit. Die erforderliche enge Zusammenarbeit zwischen Kirchenmusikerin und Pfarramt sei nicht mehr gewährleistet. Um diese nicht mehr tragbare Situation zu beenden, hat der Kirchenvorstand unter Leitung des stellvertretenden Propstes Jürgen Bade besagten Beschluss gefasst. Neben der Freistellung strebt der Kirchenvorstand weiterhin eine einvernehmliche Beendigung des Dienstverhältnisses oder eine außerordentliche Kündigung mit sozialer Auslauffrist an.

„Ich empfinde es als demütigend“, kommentiert Ute Bautsch-Ludolfs den Brief des Kirchenvorstandes. Sie hat nicht nur bereits im Januar eine Dienstaufsichtsbeschwerde erhoben, sondern nunmehr auch Anwalt Eugen-Andreas Wahler eingeschaltet. Und der stellt fest: „Wir sagen, Frau Bautsch-Ludolfs hat ein Recht auf Beschäftigung.“ Deshalb hat Wahler auch eine einstweilige Verfügung beim Arbeitsgericht beantragt, die gestern dort eingetroffen ist. Hier, so Wahler, muss nun entschieden werden, ob die Verfügung ohne mündliche Verhandlung erlassen wird, ob kurzfristig eine mündliche Verhandlung anberaumt oder aber die Verfügung abgelehnt wird.

Inzwischen hat sich auch die Initiative „D.A.V.I.D. gegen Mobbing in der evangelischen Kirche“ zu dem Fall geäußert und nimmt Bezug auf die vom Kirchenvorstand abgelehnte Mediation oder Supervision. „Wer nichts zu verbergen hat, hätte auch keine Angst vor einer Mediation oder Supervision!“ kommentiert der Verein den „unversöhnlichen Vertreibungsprozess“ der Kantorin – der im Übrigen häufiger sei als man denke. Es sei „außerordentlich unfair, ein solches Ergebnis eigenmächtig vorwegzunehmen ohne die Chance einer echten Klärung einzuräumen“. Weil Kirchenvorstände für sich Verschwiegenheit beanspruchen, während sie den Bediensteten Verschwiegenheitspflicht auferlegen, sei ihre Macht „absolut und bar jeglicher Kontrolle“.

„Wenn also dieser Kirchenvorstand sich in seiner Flüsterburg einigelt, dann ist für die Gemeinde die Zeit zum Handeln gekommen und Aufklärung über die Gründe der Entfernung der Kirchenmusikerin aus dem Amt zu fordern“, appelliert der Verein. Eine in eigener Regie einzuberufene Gemeindeversammlung wäre aus seiner Sicht das geeignete Forum dafür.

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