Ein Sportler sammelt für das Rosenbad: Vor 60 Jahren stellte Max Schmeling Bevensen auf den Kopf

Eine Stadt im Boxer-Fieber

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Ein Mitbringsel aus Bevensen: Hermann Frankl überreicht Max Schmeling einen Siebenstern. Mit den Leuchtern schmückt sich der Tourismusstandort im Norden des Landkreises Uelzen traditionell zur Weihnachtszeit – auch heute noch.

Bad Bevensen. Reichskanzler Otto von Bismarck war schon hier, auch Bundeskanzler Konrad Adenauer machte seine Aufwartung in Bad Bevensen und unlängst war selbst der „Kaiser” im Heidestädtchen.

Nicht vergessen darf man in dieser Aufzählung aber den Besuch der großen deutschen Boxlegende Max Schmeling.

Heute vor genau 60 Jahren war ganz Bevensen auf den Beinen. Der 26. Juli 1953 war ein Sonntag und die Stadt erwartete den Boxweltmeister aus den Anfängen der 30er Jahre mit großer Spannung – denn der kam nicht ohne Grund. Hans-Dieter Lühr vom Verein „Historisches Bevensen“ kramt in alten Bildern und ruft den denkwürdigen Tag in Erinnerung: Ein bisschen weiter holt er noch aus. Bereits in der Nachkriegszeit setzten die verantwortlichen Stadtvertreter Bevensens auf den Fremdenverkehr als Wirtschaftsfaktor, den es zu fördern galt. Bevensen verfügte bereits über ein beliebtes Naturbad an der Ilmenau und man plante mit einem künstlich angelegten Freibad. So ein Schwimmbad kostete auch damals Geld, das man nicht so einfach aus dem Haushalt schütteln konnte.

Darum wurde die Politik anderweitig aktiv: Ein Sportfest mit Max Schmeling als Anziehungsmagneten sollte Geld in die Kassen spülen und so die finanzielle Grundlage für das heutige Rosenbad an der Ilmenau bilden. Und das Sportidol ließ es sich nicht nehmen, sich in den Dienst dieser guten Sache zu stellen.

Der Tag begann mit einem großen Umzug durch die Stadt. Handwerker wie Frisöre, Bäcker, Schornsteinfeger oder Maler waren ebenso dabei wie Rat und Verwaltung und Bürger der Stadt. Marschiert wurde zum alten BSV-Sportplatz an der Dahlenburger Straße, wo sich heute der Parkplatz der Diana-Klinik befindet. Ein Benefiz-Fußballspiel zwischen der Handwer-kerschaft und den Vertretern der Stadt war vereinbart worden, wobei Max Schmeling die ehrenvolle Aufgabe übertragen wurde, den Anstoß auszuführen. Ein Gaudi-Spiel für hunderte von Zuschauern, die an diesem unterhaltsamen Vergleich ihren Spaß gehabt haben werden.

Auch der Boxer Max Schmeling hatte an diesem Fußballspiel wohl seine Freude. Er blieb länger als erwartet, und mischte sich auch nach dem Spiel unter die Zuschauer – eine Aktion, die ihn auch in Bevensen zu einem Sympathieträger werden ließ. Er machte den Sporttag zu „einem Ereignis allererster Güte, über das man noch lange sprach“, so Hans-Dieter Lühr in einem kurzen Fazit. Neben den Eintrittsgeldern, einem Basar und weiteren Spendenaktionen brachte dieser 26. Juli Einnahmen von rund 21 000 Mark, mit denen man den Bau des heutigen Rosenbades in Angriff nehmen konnte.

Drei Jahre später wurde das Rosenbad seiner Bestimmung übergeben. Es war damals die modernste Anlage ihrer Art in der Heide und ein weiterer Auftrieb für den Fremdenverkehr. Heute lockt die Kurstadt Bad Bevensen jährlich mehrere Tausend Gäste an. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Gästezahlen 2012, laut Statistik der Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM), um sechs Prozent gestiegen. Das entspricht 56 970 Urlaubern, also rund 10 000 mehr als 2011. Der Tourismus ist damit weiterhin das Standbein der Heidestadt. Eine Frage, die aber auch der historische Verein nicht beantworten kann, führt nach dem Blick in die Gegenwart noch einmal in die Vergangenheit: Das Ergebnis des Benefiz-Fußballspiels mit Max Schmeling ist nicht bekannt. Wer es weiß oder sonst noch einiges über das Spiel wie beispielsweise die Aufstellungen der Mannschaften berichten kann, möge sich mit dem Vorsitzenden des Vereins „Historisches Bevensen“, Hans-Dieter Lühr unter (0 58 21) 17 03 in Verbindung setzen.

Von Ulrich Bleuel

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