KGS: Treffen von Real- und Hauptschul-Abschlussjahrgang eskaliert

„Ein mieser Abgang“

Unter dem Motto „Endlich raus aus dem Rotstiftmilieu“ freuten sich die Abschlussschüler der Sekundarstufe I auf ihre Entlassung – nun hat diese einen üblen Beigeschmack erhalten. Foto: Privat

Bad Bevensen. Abgesprochen mit der Schulleitung war, dass sie lediglich einen Anhänger für das ReAb (RealschulAbschluss)-Fest an die Schule fahren. Doch dann ist eine Zusammenkunft von Schülern des Abschlussjahrgangs der Sekundarstufe I an der Bevenser Fritz-Reuter-Schule in der Nacht zu Mittwoch offensichtlich aus dem Ruder gelaufen:

Eine Fensterscheibe wurde demoliert, ein Feuerlöscher im Schulgebäude entleert, ein Notenständer zerstört und in Ecken des Gebäudes uriniert. Die Schulleitung hat Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet.

„Ich halte von dem ganzen Jahrgang etwas“, betont Christel Auer, „das ist eigentlich eine ganz vernünftige Truppe.“ Doch im Moment ist die Schulleiterin nur enttäuscht. Enttäuscht, dass keiner der Schüler – die unbeteiligt waren und gemerkt haben müssen, dass etwas schief zu laufen beginnt – einen Erwachsenen oder die Polizei informiert hat. Denn dass Schüler nachts nichts in einem öffentlichen Gebäude zu suchen haben, sollte jedem klar sein und ihn nachdenklich stimmen, wenn es anders ist.

Offenbar hatten Handwerker bei Feierabend eine Tür für eine Schülerin offen gelassen, damit diese zur Toilette gehen konnte, hat die Schulleitung ermittelt. Anschließend waren weitere Schüler in das Schulgebäude gelangt und das Dilemma nahm seinen Lauf. Auer: „Das war ein ganz mieser Abgang.“

Nach ersten Erkenntnissen der Schulleitung hatten sich die Schüler über das Internet-Portal facebook.de zu dieser Party verabredet, die dann außer Kontrolle geraten war. Der Alkoholkonsum der 15- und 16-Jährigen tat sein Übriges. An die 80 Schüler müssten es irgendwann gewesen sein, schätzt Christel Auer, „das wurde zur Flashmob-Party, und die Schüler kamen irgendwann nicht mehr hinterher“. Thessa lässt grüßen.

Von Schuldzuweisungen will die Rektorin nicht reden. Aber sie will wissen, wer für die Zerstörungen verantwortlich ist. Und auch wenn es bereits Schüler und Eltern gibt, die kritisieren, dass die Schulleiterin Schüler „in Sippenhaft“ nehme, appelliert Christel Auer vor allem an jene, „die die Kulisse für das Geschehene gebildet haben“.

Drei Optionen habe sie dem Jahrgang gegeben: 1. Der Täter stellt sich, 2. Zeugen sagen, wer es war, oder 3. Der gesamte Jahrgang lässt das ReAb-Team nicht hängen und kommt für den Schaden auf. „Natürlich, eine gewisse Sippenhaft ist immer da“, sagt Auer, „aber egal wie es läuft“, betont sie, „hier wird niemandem der Kopf abgerissen.“

Die Strafe, wie sie zunächst angedacht war, nämlich die heutige Entlassungsfeier ausfallen zu lassen, hätte auch alle getroffen. Doch die Klassenlehrer des Jahrgangs haben sich am Mittwochvormittag darauf verständigt, trotz allem eine Feier abzuhalten. Auch die Überlegung, den Schülern des Abschlussjahrgangs zunächst lediglich Kopien ihrer Zeugnisse auszuhändigen, wurde wieder verworfen. Die Leiterin des Hauptschulzweiges, Maike Wilhelms, hat allerdings ihre Festrede kurzfristig umgeschrieben. Sie wird von Courage handeln.

Von Ines Bräutigam

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