Bevensen Dagfahrt stand unter dem Motto „As dat Wünschen noch holpen het“

Dylan-Songs und KZ-Briefe

Dr. Reinhard Goltz vom Institut für Niederdeutsche Sprache.

Bad Bevensen. Chansons von Jacques Brel hat man bei der Bevensen Dagfahrt, der jährlichen Plattdeutsch-Tagung, schon auf Platt gehört und traditionelles Liedgut sowieso.

Das Duo Kay Kankowski und Michael Biermann beweist, dass man auch Bob Dylans Songs plattmaken kann und dass das seinen ganz eigenen Reiz hat.

Plattdeutsche Literatur steht immer im Verdacht, dass es da lustig zuginge – und zwar vorwiegend platt lustig. Dass es auch grimmig lustig zugehen kann, zeigt ein Rückblick auf die Märchen von Hein Hoop, „der vor 25 Johrn dootbleven is“, so Dr. Reinhard Goltz vom Institut für Niederdeutsche Sprache. Der erinnerte mit seiner Lesung zur Eröffnung der Tagung an diesen bissigen Bürgerschreck, der sich in seinen Geschichten immer auf die Seite der kleinen Leute schlägt und die Mächtigen der Lächerlichkeit preisgibt, wunderbar anarchisch und weit entfernt von jeglicher Betulichkeit. Sein Märchen über König Grootmuul trieb selbst dem ganz und gar nicht plattdeutsch aufgewachsenen Samtgemeindebürgermeister Knut Markuszewski die Lachtränen in die Augen.

Selbst Muttersprachler des Niederdeutschen konnten an diesem Wochenende eine neue Variante ihrer Sprache entdecken, das „Plautdietsche“, die Sprache der Russlandmennoniten, die sich im 16. und 17. Jahrhundert im Weichseldelta herausgebildet hat und bis heute in einigen Sprachinseln in Süd- und Nordamerika überlebt hat. Thema der Tagung war in diesem Jahr „As dat Wünschen noch holpen het“. Gleich in fünf Veranstaltungen der Tagung ging es daher um Märchen und auch der Theaterabend mit „Annekens Männeken Theater“, die ein Spiel mit Figuren nach Rudolf Herfurtners Buch „Gloria von Jaxtberg“ auf die Bühne brachte, mag als Märchenthater durchgehen.

Recht turbulent ging es beim „Literarischen Kleeblatt“ zu, das ausgewählte plattdeutsche Bücher vorstellte. Dringend empfohlen wurde das Buch „Na, Lütten“, das Brief aus dem Konzentrationslager von Heinrich Buchholz an seine Frau und seine kleine Tochter versammelt, plattdeutsche Briefe, zu denen die Gegenbriefe leider verloren gegangen sind. Auf wenig Gegenliebe stieß jedoch, dass den Briefen jeweils eine hochdeutsche Übersetzung beigegeben ist: „Völlig unnötig“, befand das Kleeblatt, wie auch im Fall des Plattdeutschen Buchs des Jahres „De Zaubermöhl“ von Susanne Tiarks, das gleich in einer ost- und einer nordfriesischen Variante gedruckt wurde. In diesem Fall empfinden die Juroren die beigegebene Übersetzung gar als schädlich. Der mit 3000 Euro dotierte Lüttjepütt-Preis 2011, den die Niedersächsische Sparkassenstiftung im vierjährigen Turnus während der Bevensen Tagung verleiht, ging an die August-Hinrichs-Bühne am Oldenburgischen Staatstheater für sein Platt-Programm für Kinder und Jugendliche, das sich an dieser Bühne zu einer eigenständigen Sparte entwickelt hat.

Von Jürgen Köhler-Götze

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