Bei Barum holt der Fernsehkoch die Knolle aus der Erde / Filmarbeiten für Dokumentation

Dreh auf dem Feld: Tim liebt Linda

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Auf dem Roder drehen Mälzer und Landwirt Karsten Ellenberg mehrere Runden.

Barum. „Was soll ich denn sonst sagen, bis darauf, dass ich Kartoffeln liebe?“ Der Fernsehkoch Tim Mälzer muss seinen Text lernen.

Er steht auf einem staubigen Acker bei Barum und soll nun für das Filmteam eine Anmoderation für eine neue Doku-Reihe des NDR zum Thema Lebensmittel machen. Im Fokus für die produzierte Folge steht die Kartoffel, und Mälzer hat sich die „Kartoffelvielfalt“ in Barum ausgesucht. Hier gibt es noch die Sorte „Linda“ – und Tim liebt Linda.

Nicht von der Seite fotografieren! Dem Kameramann gehorchen! Und nicht nur nett sein, weil die Journaille da ist! Mit dem Fernsehteam, bestehend aus Vanessa de Lacaze, Robert Engelke und Jochen Mehrling, pflegt Mälzer einen freundlich-rauen Umgangston.

Stundenlang geht es jetzt „rin inne Kartoffeln, raus auße Kartoffeln“. Mälzer, dem man mit Weste, Bart und kühnem Blick durchaus den Bauern abnehmen könnte, werkelt etwas ungeschickt mit einer dreizinkigen Hacke, klaubt Linda aus ihrem irdenen Bett, drückt sie an sein Herz. Für die Kamera beginnt er mit einem Klassiker der Witzkultur: „Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln...“, erklärt er. Die Knolle in seiner Hand ist so mitteldick. Dann erzählt er, er sei ein Junge vom Land, die Kartoffel sei ihm wohl bekannt und gehöre zu seinem Lieblingsgemüse. „...und hier gibt es eine Sorte, die es eigentlich nicht mehr geben sollte“, parliert er weiter und meint „die gute alte Linda“. Sie hatte ihm als Beispiel besonders am Herz gelegen, nachdem sie der Saatgutkonzern Europlant, wie berichtet, vom Markt nehmen wollte, der Protest vieler Landwirte sie aber schließlich wieder etablieren konnte.

Die Moderation sitzt, es gibt dennoch eine Einstellung. Zum Reporter der Heimatzeitung macht er ein schlitzohriges Gesicht und sagt: „Nicht von der Seite fotografieren.“ Die gestikulierte Frage, ob das wegen des Bauches sei, bejaht er mit einem Nicken und einem freundlich hochgereckten Mittelfinger.

Der Ton im Team ist liebevoll. Kameramann Robert Engelke, Kameraassistent Jochen Mehrling, Redakteurin Vanessa de Lacaze und Mälzer beglücken einander bei jeder Gelegenheit mit allerlei nett gemeinten Unflätigkeiten. Das „Willst du noch einen Kaffee“ von de Lacaze kommentiert Mälzer mit: „Das fragt die nur so nett, weil die Journaille da ist!“

Bei laufender Kamera ist die Neckerei weg: Mälzer lässt sich vom Kartoffelbauern Karsten Ellenberg die Vielfalt der Knolle erklären. Dass Deutsche gern gelbe Kartoffeln essen, während Russen und Engländer weiße Sorten bevorzugen. „Weiß verbindet man dort mit Sauberkeit“, meint Ellenberg, „während wir in Deutschland die gelbe Farbe mit Eigelb assoziieren, was fruchtbar wirkt.“

Am Set wird geduzt, egal wer zu wem. „Karsten! Karsten, nochmal zurück in die erste Position, bitte“, ruft Redakteurin de Lacaze Landwirt Ellenberg zu. Der geht einige Schritte zur Seite – er kennt Filmleute beim Dreh. „Du hältst die Hacke wie einen Krückstock!“ ruft Mehrling Mälzer zu, „halt ihn mal anders!“ Mälzer legt sich das Werkzeug auf die Schulter.

Gemeinsam laufen Ellenberg und Mälzer dann an einem Kartoffelroder entlang. Ellenberg erklärt die Technik, Mälzer nickt, stellt Fragen, gehorcht routiniert den Anweisungen des Kameramannes, der die Männer abwechselnd oder zusammen ins Bild nimmt, während tausende von kleinen Lindas lustig das Rollband des Roders hinaufpurzeln, ihrem Ableben als Gratin entgegen. Dann steigen beide samt Kamerateam auf den Roder, gesellen sich zu den Helferinnen Klaudia Torka und Inese Steuerwald. Drei komplette Reihen auf dem Acker unweit der B 4 fahren sie entlang, nach der zweiten Reihe sitzt Mälzer wieder der Schalk im Nacken: Die Helferinnen hätten sich wohl eher den Lafer gewünscht – Johann Lafer, den im Vergleich zu Mälzer eher behäbigen österreichischen Fernsehkoch – ausgerechnet!

Was der Mälzer auf dem Roder neben der Arbeit für die Kamera noch an Narretei von sich gegeben hat, wollen die Frauen nicht sagen, sie kichern nur. Das bleibt geheim. Mälzer grinst, das mit dem Lafer geht ihm nicht aus dem Kopf. Also sowas! „Schreib das alles auf“, sagt er. Dann geht es zur nächsten Einstellung. Raus auße Kartoffeln. Rin inne Kartoffeln.

Von Kai Hasse

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