„Der Boden ist unser Kapital“

Pestizide im Grundwasser: Ein Niendorfer Landwirt schildert, wie er Umweltbelastungen vermeidet

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Cord-Wilhelm Müller betont, dass Landwirte mit Pestiziden auf dem Acker verantwortungsvoll umgehen. Mit verschiedenen Düsen seiner 27 Meter breiten Spritze kann er die Tröpfchengröße exakt einstellen.

Niendorf I. Auf Knopfdruck gibt’s die Dusche. Nicht alle Bürger sehen es gerne, wenn Cord-Wilhelm Müller und seine Berufskollegen mit der Spritze über den Acker fahren.

Der jüngst vom NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) vorgestellte Bericht über Pestizide im Grundwasser scheint die Befürchtungen zu bestätigen. Auch im Kreis Uelzen weisen einzelne Messbrunnen Wirkstoffe oder Zerfallsprodukte auf. Der Bauernverband sieht die Landwirte zu Unrecht am Pranger. Um zu demonstrieren, was sie jetzt schon tun, um Umweltbelastungen beim Pflanzenschutz möglichst gering zu halten, lädt er die AZ zu einem Ortstermin auf den Hof von Landwirt Müller in Niendorf I bei Bienenbüttel ein.

Dabei geht es auch um immer aufwendigere Technik. Wenn die 60 000 Euro teure gelbe Spritze auf dem Acker ihr Gestänge entfaltet, dann kann Landwirt Müller zwischen drei verschiedenen Düsen wählen, die unterschiedlich große Tröpfchen bilden. Auf dem Bordcomputer stellt der 45-Jährige, der auf 200 Hektar Land im Wasserschutzgebiet Getreide, Kartoffeln und Rüben anbaut, die Dosis in Litern pro Hektar ein. Ein GPS-Gerät erleichtert die Übersicht über die gespritzten Flächen. An Wegrändern oder bei unregelmäßigen Flächen schaltet Müller einzelne Abschnitte des 27 Meter breiten Gestänges ab. An Wasserläufen setzt Cord-Wilhelm Müller weder Spritzmittel noch Kunstdünger ein.

Gespritzt werde nur, wenn dies notwendig sei, betont Müller, etwa wenn die Krautfäule Kartoffelbestände bedroht. Deshalb ist er täglich in seinen Feldern unterwegs, um den Zustand seiner Pflanzen zu beobachten. Außerdem setzt er auf die Beratung der Landwirtschaftskammer in Uelzen.

„Pflanzenschutz ist ein Betriebsmittel, das mich Geld kostet“, betont Thorsten Riggert, Kreisvorsitzender des Bauernverbands. Seine Berufskollegen hätten ein starkes Interesse daran, möglichst sparsam mit dem Gift für den Acker umzugehen. Warum dennoch Pestizide im Grundwasser vor allem im Westen und Süden Niedersachsens gefunden wurden, dafür hat er eine Erklärung: „Das sind Pflanzenschutzmittel, die vor 20 Jahren eingesetzt wurden.“ Viele der gefundenen Substanzen seien inzwischen vom Markt genommen wie das im Maisanbau verwendete Atrazin.

Riggert sagt: „Das Zulassungsverfahren ist streng.“ Auf diese verlassen sich die Landwirte. Für einen sachgerechten Einsatz der Mittel würden die Landwirte regelmäßig geschult. Alle drei Jahre durchlaufen die Spritzen einen eigenen TÜV. Dabei werde jede einzelne Düse auf Unregelmäßigkeiten geprüft. Hinzu kommen unangemeldete Kontrollen, bei denen die Landwirte Dokumentationen der verwendeten Spritzmittel-Mengen vorlegen müssten.

„Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, sagt Landwirt Müller: „Der Boden ist unser Kapital. Den behandelt man auch so, dass er erhalten bleibt.“

Von Gerhard Sternitzke

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