Landwirte im Kreis Uelzen müssen Strafe zahlen – wenige Monate bevor die Milchquote 2015 fällt

„Das ist einfach sauärgerlich“

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Ein Jahr muss Landwirtschaftsmeister Matthias König noch Strafzahlungen befürchten: Zum 31. März 2015 wird das letzte Mal abgerechnet. Dann fällt die Milchquote und der Vorwerker Milchviehhalter kann so viel Milch produzieren, wie er möchte.

Vorwerk/Landkreis. In neun Monaten dürfen Deutschlands Landwirte so viel Milch produzieren wie sie wollen. Denn im März 2015 fällt die 1984 eingeführte Milchquote, über die derzeit noch der Milchhandel gesteuert wird (siehe Kasten).

Da die Nachfrage nach Milchprodukten in den vergangenen Jahren aber weltweit enorm gestiegen ist, produzieren viele Landwirte schon heute mehr als sie laut Quote dürften – satte Nachzahlungen sind die Folge.

Auch Florian (36) und Matthias König (39) müssen dieses Jahr tief in die Tasche greifen. 200 Kühe, 4500 Liter Milch am Tag – so wie deutschlandweit tausende Vertreter ihrer Zunft haben auch die Brüder aus Vorwerk zu viel Milch produziert und verkauft. Wie hoch die Strafzahlungen sind – knapp 13 Cent überweisen Milchviehhalter für jedes Kilogramm Milch, das oberhalb der eingekauften Quote ihren Hof verlässt, nach Brüssel – wollen die Landwirtschaftsmeister nicht verraten, aber fest steht ihrer Meinung nach: Das Ende der Quote ist überfällig. „Der Milchpreis ist gut, die Nachfrage ist da – warum sollen wir Strafe zahlen?“, fragt Florian König.

Gemeinsam mit seinem Bruder leitet er einen von insgesamt 87 Milchviehbetrieben im Landkreis Uelzen. Neben der Milchproduktion bewirtschaften sie einige Hektar Land – ein zweites Standbein für die Vorwerker. Vor allem die Milch-sparte haben sie in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut, ein neuer Stall ist vergangenes Jahr entstanden: „Wir mussten entscheiden, ob wir Biogas machen oder weiter auf Milch gehen. Und dann haben wir uns dazu entschieden, das zu machen, was wir können“, spricht Matthias König einen Konflikt an, dem sich viele Milchviehhalter ausgesetzt sahen: Auf der einen Seite steigt die Nachfrage nach Milch, was gute Preise bedeutet. Auf der anderen Seite drohen Strafzahlungen, wenn die Quote überstiegen wird. Betriebe, die sich mit Hinblick auf die 2015 fallende Quote vergrößern wollen, können das aber nicht von heute auf morgen tun – ein Überschreiten der Quote ist in vielen Fällen vorprogrammiert. „Da haben wir wieder das Problem: Wenn Bürokratie auf Wirklichkeit trifft...“, sagt Kreislandwirt Thorsten Riggert. Seiner Meinung nach, ist der Fall der Quote überfällig, Angebot und Nachfrage müssten den Preis regeln. „Es ist einfach sauärgerlich: Die Nachfrage ist da, es wird nichts gehortet“, kritisiert der Kreislandwirt. „Die Gelder gehen der Region verloren, die überweisen wir nach Brüssel. Das kostet die Region viel Geld.“

Von Wiebke Brütt

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