50 Arbeiten derzeit in Bad Bevensen zu sehen

Der Cartoonist Wolf-Rüdiger Marunde im Interview

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Oft beginnen seine Bilder mit einer vagen Idee, die sich dann während der Arbeit herauskristallisiert: Wolf-Rüdiger Marunde hat in seinem Cartoonisten-Leben schon mehr als 1600 Werke gezeichnet. Foto/Repros: privat

Bad Bevensen. Insgesamt 50 ausgewählte Arbeiten stellt der Cartoonist Wolf-Rüdiger Marunde derzeit im Bad Bevenser Möbelhaus Reck aus.

Im Interview mit AZ-Redakteurin Ines Bräutigam verrät er, was ihn am Landleben so fasziniert und inspiriert, und seine Sicht auf das Miteinander von Mensch und Tier.

Haben Sie als Kind schon gern gemalt? Wann und wie fing das an? 

Die meisten Kinder malen von alleine gern und viel, ich auch. Mit Karikaturen habe ich als 14-jähriger Gymnasiast angefangen, für unsere Schülerzeitung. So konnte ich mich an den Lehrerinnen rächen.

Das Landleben ist ein zentrales Thema in Ihren Bildern, die durch viele, oft so authentisch wirkende Details, auffallen. Was lieben Sie so an der Provinz? 

Ich lebe dort seit eh und je, und das sehr gern. Im Landleben kenne ich mich gut aus – weit besser jedenfalls als mit dem urbanen Lifestyle. Und ich mag die Menschen, die auf den Dörfern wohnen. Es sind ja weit weniger als in der Stadt, deswegen ist das nachbarschaftliche Leben, das sich auf eine ganze Region erstrecken kann, auf dem Land intensiver, egal, ob man sich mag oder streitet. Und es ist nicht so weitgehend an Moden und Konventionen gekoppelt wie in der Stadt.

Sie wohnen im Wendland. – Eine Quelle der Inspiration? 

Eine Quelle der Inspiration insofern, als dass mein Alltag dort stattfindet. Klar, dass sich der auch in meinen Zeichnungen spiegelt. Die idyllischen Seiten des Wendlands finde ich zwar auch nett, aber sie sind für meine Arbeit weniger interessant. Für meine Zeichnungen versuche ich eher die Bruchlinien zu finden, also das nicht so Schöne, das Widersprüchliche.

„Tiere sind auch nur Menschen“, könnte man meinen, wenn man Ihre Cartoons sieht, denn Sie verpassen meist Tieren menschliche Züge. Wonach wählen Sie die welche Charaktere für welche Tiere aus? 

Eigentlich benutze ich Tiere gar nicht so häufig als Darsteller, das war in den 80er und 90er Jahren noch weit mehr der Fall, weil ich da zwei entsprechende Serien hatte. Heute sind es überwiegend Menschen, die meine Zeichnungen bevölkern. Von „Charakteren“ würde ich bei Tieren auch nicht sprechen, es sind eher Situationen, etwa der Hühnerhof als Firma.

Ihr persönliches Lieblingstier? 

Ich habe kein Lieblingstier. Tiere sind für mich Tiere, sie sind so, wie sie sind. Klar, mit meinem Hund hatte ich ein sehr spezielles Verhältnis, das war schon mein Liebling. Aber deswegen ist „der Hund“ nicht mein Lieblingstier. Eine Schildlaus beispielsweise ist doch auch ein wunderbares Tier.

Wie viele Zeichnungen haben Sie in Ihrem Cartoonisten-Leben schon gezeichnet? 

Etwas mehr als 1600.

Wie entsteht so ein Bild – von der Idee bis zum letzten Pinselstrich? Wie lange brauchen Sie dafür? 

Meine festen Lieferverpflichtungen lassen mir nur etwa drei bis vier Tage Zeit für ein Bild. Die Ideen dafür entstehen in meinem Alltagsleben, beim Lesen, den Treffen mit anderen Menschen, beim Herumfahren, Hingucken und Hinhören, Fotografieren – und nicht zuletzt beim Malen selbst. Ich beginne oft mit einer vagen Idee, die sich erst während der Arbeit herauskristallisiert. Zum Schluss kommt eine Arbeitsphase am Computer, um eine druckfertige Datei herzustellen, die dann per Internet verschickt wird.

Welcher Cartoon fiele Ihnen ganz spontan zum Kurort Bad Bevensen ein? 

Ich kenne Bad Bevensen nur im Winter, als gelegentlicher Besucher der Therme. Das Flüstern dort, die missbilligenden Blicke, wenn man ein Geräusch macht… Ich könnte den Vorsitzenden des Landvolkes eine Arschbombe machen lassen, um ein Zeichen zu setzen gegen die Grünen, die Supermärkte und den Geiz der Verbraucher.

Vervollständigen Sie doch bitte folgende Satzanfänge: 

Schweine bedeuten für mich… in erster Linie Opfer einer verfressenen Gesellschaft.

Wenn ich ein Huhn wäre, würde ich… dem Stallbesitzer auf den Kopf kacken und als Märtyrerin sterben.

Das Leben auf dem Lande ist… gleichzeitig Weite und Enge.

Mensch und Tier sind… eine vorübergehende WG auf dem Planeten.

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