„Carmina Burana“ zieht mehr als 650 Gäste an Konzertmuschel / Erste Ideen für kommendes Jahr

Fortuna! Funken sprühen in Bevensen

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Feuriger Auftritt: Beim Finale griffen Chorgesang, Orchester und Technik ineinander – nicht nur zur Freude der musikalischen Leiterin Birgit Agge. „Wir haben den Notentext überzeugend umgesetzt“, sagte sie nach dem Auftritt. „Ein Konzert ist mehr als Singen am Freitag. Geprobt wurde vorher, jetzt ging es darum, das Gelernte umzusetzen, die Gardine aufzuziehen – und das ist uns gelungen.“

Bad Bevensen. Rund zwei Stunden – samt Begrüßung und Pause – ließen Musikanten und Publikum am Sonnabend unter freiem Himmel gemeinsam das Schicksalsrad drehen.

Carl Orffs „Carmina Burana“ erklang in der Konzertmuschel am Kurhaus – in einer Produktion, bei der der Funke übersprang. Denn nicht etwa ein angereistes Profi-Ensemble brachte die Liedersammlung, die viele vor allem mit dem berühmten „Fortuna“ in Verbindung bringen, in Stangenware auf die Bad Bevenser Freilichtbühne. Laiensänger der städtischen Cantorei Lüneburg, bei der übrigens auch Sänger aus dem Landkreis Uelzen ihre Stimmen erklingen lassen, traten gemeinsam mit der Singschule der musikalischen Leiterin Birgit Agge und Solisten des Lüneburger Theaters auf und entwarfen zusammen mit dem Team der Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM) eine Carmina-Version, zugeschnitten für die Kurstadt – und das mit einer Begeisterung, die ansteckte.

Während sich anfangs viele Zuhörer noch vertieft in die Übersetzungen im Programmheft, parallel auf Melodien sowie Inhalt der mittelhochdeutschen und lateinischen Texte konzentrierten, entfaltete mit Hereinbrechen der Dämmerung eine weitere Dimension der Inszenierung ihre volle Wirkung: Die Lichttechnik. So grenzten die den Konzertplatz säumenden Bäume nach Sonnenuntergang nicht nur Konzertmuschel und Publikum vom übrigen Kurpark ab. In farbiges Licht getaucht markierten sie stimmungsvoll den Radius einer musikalischen Insel, auf der Publikum und Musiker unter freiem Himmel miteinander verschmolzen. „Es ist schier unglaublich, was man mit Licht erreichen kann. Wenn das Publikum sich in diesem Kessel auf die Musik einlässt, wird es ganz toll“, kündigte Veranstaltungstechniker Mirko Heil-von Limburg kurz vor Konzertbeginn das an, was sich kurze Zeit später einstellte: Anfängliche Gespräche verstummten. Blicke, die zunächst im Programmheft hängen blieben, erfassten das Zusammenspiel von Licht, Gesang und Feuerelementen. Kinder und Erwachsene lauschten gemeinsam der Musik und staunten über die imposanten Effekte zum finalen „Fortuna“, bei dem unter anderem bengalische Feuer und Laser zum Einsatz kamen.

Mehr als 650 Besucher aus den Landkreisen Uelzen und Lüneburg sowie dem Hamburger Randgebiet genossen, bei durchweg trockenem Wetter, den musikalischen Abend am Kurhaus – fast doppelt so viele wie bei der Bad Bevenser Open-Air-Premiere im vergangenen Jahr. Denn da lockte der „Canto General“ rund 340 Besucher an die Konzertmuschel. Grund genug für BBM-Veranstaltungsleiter Gerhard Kreutz einen Blick in die Zukunft zu wagen: „Natürlich planen wir für das nächste Jahr etwas“, erklärt er wenige Minuten nach Konzert-ende – also in genau dem Zeitfenster, in dem vergangenes Jahr der Traum von „Carmina Burana“ im Kurpark begann. Zwei Optionen habe er im Hinterkopf – was genau Klassik-Fans erwartet, möchte Kreutz aber noch nicht verraten. Nur so viel: „Auf lange Sicht könnte ich mir vorstellen, dass daraus eine Reihe mit mehreren Veranstaltungstagen wird.“

Von Wiebke Brütt

Das sind die Bilder vom Spektakel

"Carmina Burana" in Bad Bevensen

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