Zu schnell, zu laut, zu früh: Verkehrsanbindung bringt Fluch und Segen

Bürger in Himbergen aufgebracht über neue Busse

+
Der neue Bus von Himbergen nach Uelzen hatte bei vielen Bürgern sofort Anklang gefunden - allerdings nicht bei allen. 

Himbergen. Die Nerven liegen blank. Denn seitdem Michael Kramm eine Bushaltestelle quasi vor seinem Schlafzimmer hat, sind seine Nächte kurz, der Haussegen hängt auch schon schief.

Schuld daran ist der neue Busfahrplan für den Landkreis Uelzen, mit dem Busse neuerdings – wie berichtet – auch Himbergen ansteuern. Dass diese Errungenschaft nicht unbedingt nur einen Segen bedeutet, darüber macht der Anlieger des Forstwegs sich in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich Luft.

Morgens um 6.47 Uhr gehe das Drama los, schildert Kramm. Dann rollt der erste Bus an, um zwei oder drei Schüler einzusammeln. „Der Motor läuft, da wird gelabert und gelabert und das ganze Haus wackelt“, schimpft der Anwohner aufgebracht.

Himbergens Bürgermeister Jürgen Hinrichs versucht immer wieder Sachlichkeit in die Debatte zu bringen, an der sich zwischendurch auch weitere unzufriedene Bürger beteiligen, doch Michael Kramm dreht erst richtig auf: „Am liebsten würde ich sagen: Noch ein Wort, und ich spritz’ euch alle mit dem Gartenschlauch nass und in den Bus auch gleich ‘rein!“

Dem Bürgermeister kreidet er an, das ihm die neue Bushaltestelle vor der Nase als tolle Sache verkauft worden sei. Hinrichs argumentiert: Da sei auch noch nicht klar gewesen, dass die Busfahrer den Bereich Mühlenbergstraße, Lerchenberg und Forstweg offensichtlich nach eigenem Ermessen als Wendekreisel auserkoren würden. Die Probleme, sagt er, seien bereits dem Landkreis Uelzen als zuständiger Behörde gemeldet worden, und nach den Herbstferien solle die Situation auch entschärft sein.

Michael Kramm ist trotzdem wütend. „Ich muss doch mal mit ins Boot geholt werden“, schimpft er. „Über jeden kleinen Frosch, der über die Straße läuft, wird diskutiert, aber ich habe hier jetzt die Arschkarte wegen zwei, drei Schülern, die auch ein paar Schritte zur Wiebeckstraße laufen könnten.“ Dort nämlich befindet sich eine zentrale Bushaltestelle. Das Problem aber, gibt Jürgen Hinrichs zu bedenken, sei eben, dass die Busse irgendwo im Ort wenden müssten. Und das tun sie in dem vor etwa 20 Jahren verkehrsberuhigt ausgebauten Bereich rund um den Botterbusch.

Die Leidtragenden sind Kramm und seine Nachbarn. Acht bis neun lärmende Busse müsse er bis zur Mittagszeit vor seinem Haus ertragen, berichtet Kramm. 30 Busse seien es am Tag. „Die kommen aus allen Richtungen“, schildert er das Chaos. Andere Himberger ergänzen, dass außerdem kein Bus die vorgeschriebenen 30 km/h einhalte. „Die brettern da lang, auch am Kindergarten vorbei“, berichtet einer über die Situation am Botterbusch. Ein anderer hat bereits an der Mühlenbergstraße brenzlige Situationen beobachtet: „Die Busse nehmen da Kindern, die mit dem Rad aus der Straße Schöne Aussicht kommen, die Vorfahrt. Es ist wirklich gefährlich!“

Bürgermeister Hinrichs muss mehrfach die Gemüter beruhigen und versichert: „Wir reichen das an den Landkreis weiter.“

Von Ines Bräutigam

Kommentare