Marketing- und Verleihfirmen nach Brand sensibilisiert / Verbindliche Ursache noch unklar

Brisante E-Bikes in Bad Bevensen

Bad Bevensen. Im ersten Geschoss des Parkhotels in Bad Bevensen herrscht immer noch der durchdringende Brandgeruch. Die Balken hängen verkohlt aus den Wänden, die Gänge sind verdreckt mit Trümmern und Tapetenfetzen.

Hier ist vor elf Tagen ein Feuer ausgebrochen, ein 94-jähriger Hotelgast starb dabei.

Über den Brandherd schweigen sich Feuerwehr und Polizei nach wie vor aus. Gäste hatten berichtet, dass es der Akku eines E-Bikes gewesen sein soll, der den Brand ausgelöst hat. Stimmt das? „Wir können das weder bestätigen noch dementieren“, sagt Polizeisprecher Kai Richter. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen“, sagt der Bad Bevenser Ortsbrandmeister Jürgen Burmester. Das Gerücht geht derweil herum, niemand sagt klar „Nein“.

Der Inhaber des Parkhotels, Michael Schwarz, wirkt aufgeräumt: „Ich bin in gewisser Weise entspannt, das stimmt“, sagt er. „Wir, das Haus, wir sind in keiner Weise schuld“, das beruhige ihn. Derzeit wird das Haus geräumt, über den Sommer soll renoviert werden. Seine Mitarbeiter sind über die Betriebsausfallversicherung abgesichert, sie helfen bei den sommerlichen Arbeiten. „Zur Zeit ist das ideal“, sagt Schwarz. Dass bei dem Brand ein Mensch gestorben ist, mache ihn sehr traurig. Erfreut ist er über den Rückhalt der Stammgäste. „Sie rufen an, sprechen mir ihr Bedauern aus und wünschen mir alles Gute“, so Schwarz. Er selbst ist auch abgesichert. Die Versicherung hat ihm klargemacht, dass sie zahlen werde. Den Akku haben Mitarbeiter der Versicherung mitgenommen.

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Kurstadt unter Schock

Die E-Bikes, oder Pedelecs, werden für Bad Bevensen immer wichtiger. Die Kundschaft der Hotels im Kurort ist alt, will sich aber bewegen, E-Bikes werden offensiv beworben. Die Lüneburger Heide GmbH (LHG) vermarktet sie. Tanja Stahl ist eine der Vermieterinnen der lila „Lüneburger Heide E-Bikes“, sie hat ihren Standort in Bad Bevensen, ihre Rad-Flotte umfasst insgesamt 24 Stück. „Wir sind alle alarmiert“ sagt sie, auch wenn der E-Bike-Akku als Brandursache nach wie vor unbestätigt ist. Und sie ist bestürzt wegen des Todes des Mannes. Klar für sie ist: „Es war kein Rad und kein Akku von uns. Das Ehepaar hatte zwar bei uns zwei Pedelecs gemietet. Aber sie haben sie noch vor dem Brand wieder bei uns abgegeben, auch die Akkus.“ Es müsse ein privater Akku eines E-Bikes gewesen sein, auch Schwarz selbst spricht von einem privaten E-Bike des Ehepaars. Stahl sagt: „Wir haben die Kontrollen unserer Akkus verschärft, und wir haben uns zusammengesetzt, um die Sicherheit noch weiter zu verbessern.“ Tanja Stahl gibt den Rat, die Akkus der Räder nicht ohne Aufsicht zu laden und sie im Ernstfall auf keinen Fall mit Wasser zu löschen - die Lithium-Ionen-Blocks reagieren mit einer Explosion. Stattdessen müsse man den Brand ersticken. Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der LHG, bestätigt, dass das E-Bike des Paares im Parkhotel nicht von der GmbH stamme. Alarmiert sei er nicht, er mahnt zu mehr Kontrollen. „Wir werden allen Gastgebern den Rat geben, das Aufladen von Akkus im Hotelzimmer zu verbieten“.

Flur im ersten Stock des Parkhotels, neun Tage nach dem Brand.

Ernst Brust dokumentiert seit dem Jahr 2010 solche und ähnliche Fälle, die mit den Akkus von E-Bikes zu tun haben, in einer Datenbank. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens Velotech in Schweinfurt. Die Firma erstellt Sicherheits-Gutachten für Unternehmen oder Gerichte. Seine Datenbank von explodierten oder in Brand geratenen Akkus enthält mittlerweile etwa 40 Fälle im gesamten deutschsprachigen Raum. Er meint, bei einigen großen Firmen seien die Akkus sehr unfallsicher, andere Unternehmen hätten jedoch sicherheitstechnisch schlechtere Akkus. Unfälle wie die in seiner Datenbank würden oft bei unsachgemäßer Bedienung entstehen. „Meist geschieht das während des Ladens, wenn der Akku zuvor beschädigt worden ist“, sagt Brust. Das passiere bei E-Bikes schnell, wenn sie etwa umfallen. Wenn dann die Verkabelungen im Akku beschädigt sind und er unter Strom gesetzt werde, gebe es einen Kurzschluss. „Man muss unheimlich aufpassen“, mahnt Brust.

370 Kilometer weiter nördlich, in Bad Bevensen, nagen die Betroffenen noch an den Ereignissen. Ein Akku als Brandherd wäre brisant, weil die Senioren der Kurstadt immer mehr nach E-Bikes nachfragen. „Tendenz steigend“, sagt Uwe Winter, Geschäftsführer der Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM). 57 000 Gäste im Jahr verzeichnet er im Schnitt in Bad Bevensen, das Durchschnittsalter ist etwa 68 Jahre. „E-Bikes sind sehr beliebt, weil man mit ihnen auch an einem Tag bis ins Wendland und zurück kommt. Das schafft man nicht mit dem normalen Rad.“ Dabei verändere sich der Trend gewaltig, meint Winter: Mittlerweile steige die Nachfrage auch bei den ab 50-Jährigen. „Viele Gäste bringen sie auch mit“, sagt Winter. Innerhalb der BBM habe man noch keine Gespräche über die Sicherheit der Pedelecs geführt. „Erst muss uns die verbindliche Brandursache mitgeteilt werden, ansonsten diskutieren wir über Spekulationen“. Einen Imageverlust für Bad Bevensen befürchtet er nicht. Vielmehr freuen ihn die bisherigen Reaktionen der Gäste: „Wir kriegen eher zu hören, es sei sehr bedauerlich, auch für den Hotelier.“ Die Gäste in Bad Bevensen seien zu einem Großteil Stammgäste, unter denen zusammen mit den Hotelbesitzern ein „Wir-Gefühl“ bestehe.

Von Kai Hasse

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