Blaues Wunder für Holunder

Altenmedingen - Von Ines Bräutigam. Einmal hat der Verwaltungsausschuss der Gemeinde Altenmedingen der Idee schon eine Abfuhr erteilt. In der jüngsten Ratssitzung gab es wieder ein Nein zu einem Projekt, das Richard Scheibel den Ratsleuten vorstellte. Der Bohndorfer nämlich baut Holunder in großen Mengen an und hatte der Gemeinde Altenmedingen eine Kooperation vorgeschlagen: den Holunderanbau an Gemeindewegen.

Grünen-Ratsherr Ulrich Schulte war allerdings der Einzige, der das Projekt nicht nur befürwortet, sondern auch einen entsprechenden Antrag auf Behandlung des Themas in öffentlicher Sitzung gestellt hatte. Alle anderen Ratsmitglieder hatten vor allem deswegen Bedenken, weil Scheibel gemeindliches Eigentum für gewerbliche Zwecke nutzen möchte. Der Bohndorfer nämlich beliefert unter anderem einen großen Biolimonade-Hersteller mit seinen Holunderbeeren, der seinen Bedarf zurzeit nicht decken kann.

Doch Richard Scheibel betonte: „Ich will ihnen hier nichts Gutes tun“, und im Gegenzug erwarte er auch keine guten Taten. Ihm geht es um Kooperation. „Und wenn die Gemeinde Altenmedingen kein Partner sein möchte, muss sie das verantworten.“ Andernorts im Landkreis Uelzen ist Scheibel längst aktiv geworden. So gibt es in Almstorf ein Holunder-Anbaugebiet, und auch in Nateln in der Gemeinde Rosche ist er mit seiner Idee auf offene Ohren gestoßen. Ebenso wie im Nachbarlandkreis Lüneburg, in Dahlenburg.

Scheibels Konzept: Er pflanzt Holunderbüsche an ruhigen Standorten, die ökologische Kultivierung zulassen und pflegt auch die Zwischenräume. Im Falle von gemeindeeigenen Wegen hätte die Kommune sogar noch einen Vorteil dadurch, argumentierte er. Die Büsche werden in einer Höhe von etwa 2,40 Metern gekappt und mit der Hand abgeerntet. Scheibel erhält für sein Projekt nicht nur Unterstützung vom Landesjagdverband Niedersachsen, sondern auch vom BUND. So betonte Wieland Utermark vom Uelzener BUND am Rande der Sitzung, dass man das Holunderprojekt „sehr unterstützt“.

Doch der Altenmedinger Gemeinderat ließ sich nicht überzeugen. „Es ist für uns nicht so interessant“, meinte Bürgermeister Werner Marquard, „wir wollen unsere Wege so belassen, wie sie sind.“ Horst-Ulrich Bichinger (SPD) hatte vor allem Probleme mit der gewerblichen Nutzung von Gemeindeflächen und riet Richard Scheibel, doch Privatleute anzusprechen, von denen er Land pachten könnte.

Darüber hinaus befürchteten die Ratsleute vor allem Nachteile für die Landwirte, denen eine uneingeschränkte Nutzung der Wege erhalten bleiben soll. Annette Niemann (parteilos) hatte überdies Sorge, dass es zu Konflikten mit Bürgern kommen könnte, die weiterhin ihren Bedarf an Holunderbeeren aus bereits stehenden Pflanzen decken wollen. „Das wird eine Baustelle“, ahnte sie. Und was, wenn eines Tages die Ertragshecken des Holunders nicht mehr gebraucht würden? Dann bleibe man auf den Altlasten sitzen und müsse sich damit herumärgern, mutmaßte Heinz Eckert (SPD).

Als vor der Abstimmung – die mit einer Ja-Stimme und acht Nein-Stimmen endete – erneut der Ratschlag an Richard Scheibel erging, sich doch bei Privaten um Pachtland zu bemühen, meinte der nur: „Das Konzept funktioniert. Sie müssen mir also keine Vorschläge für mein wirtschaftliches Arbeiten geben. Die brauche ich nicht.“

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