Mission: Leseförderung

Bibliothek im Griepe-Haus legt künftig Fokus auf Kinder und Jugendliche

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Die Bibliothek im Bad Bevenser Griepe-Haus soll sich künftig vor allem auf die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen ausrichten – das hat der Samtgemeinderat so beschlossen.

Bad Bevensen. Der Fokus der Bibliothek im Griepe-Haus in Bad Bevensen soll künftig vor allem auf die Förderung der Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen gelegt werden. Das hat der Samtgemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstag beschlossen.

Léonard Hyfing (FDP), Mitglied eines Arbeitskreises – bestehend aus Vertretern der Politik, von Schulen und Experten –, der das Konzept ausgearbeitet hatte, zeigte sich froh, dass man sich über diese Zielrichtung einig geworden sei. „Vor allem das Leseverständnis ist in unserer Wissensgesellschaft extrem wichtig“, so Hyfing. Deshalb sei es wichtig, frühzeitig das Interesse am Lesen zu wecken.

In den Grundschulen, etwa der Bad Bevenser Waldschule, funktioniere das sehr gut. Und auch in der Ebstorfer Bücherei habe man keinen Handlungsbedarf gesehen. „Da gibt es eine sehr gute Ausrichtung auf junge Leute“, so Hyfing. Probleme gebe es allerdings an den weiterführenden Schulen: Die Zusammenarbeit zwischen Bevenser Bibliothek und der KGS zum Beispiel sei „suboptimal“, so Hyfing, „um es freundlich auszudrücken“. Diese Kooperation solle unbedingt verbessert werden, zumal das Interesse seitens der Schule sehr groß sei.

Mit dem Konzept soll auch eine bauliche Umgestaltung des Griepe-Hauses einhergehen. So ist eine Krabbelecke bereits für die Kleinsten vorgesehen, und das Erdgeschoss soll mittelfristig zum „Jungen Medienparadies“ umgestaltet werden. Die Literatur für die Generation über 18 Jahre soll dann im Obergeschoss eine neue Heimat finden. Gleichzeitig soll die Bibliothek etwa am Projekt „Lesestart Niedersachsen“ teilnehmen.

Zur Erfolgskontrolle des Konzepts hat die Politik Zielvorgaben formuliert. So sollen etwa bei der frühkindlichen Leseförderung 20 Prozent der jungen Bevenser Familien Kunden der Bibliothek sein. Oder um der sinkenden Lesemotivation entgegenzusteuern, sollen 30 Prozent der KGS-Schüler einmal im Jahr mit der Bibliothek in Kontakt kommen. „Mit diesen Zielen erkennen wir, ob wir etwas ändern müssen oder nicht“, resümiert Hyfing.

Stephan Kaufmann (BfB) lehnte das Konzept ab, weil es ihm „zu schwach“ sei. Es fehle die konzeptionelle Verknüpfung mit der Ebstorfer Bücherei, außerdem seien offensichtlich weder Anregungen der Büchereizentrale (BZ) Niedersachsen berücksichtigt worden noch habe man scheinbar Bedenken der Bibliotheksmitarbeiter bedacht.

So hatte die BZ unter anderem angemerkt, dass eine stärkere Ausrichtung auf die junge Generation „grundsätzlich richtig“ sei, aber auch die weiteren Aufgaben öffentlicher Büchereien nicht außer Acht gelassen werden sollten. „Nicht gut wäre es“, heißt es in einer Stellungnahme der BZ, „wenn zukünftig alle Erwachsenen in der Bibliothek nur noch eine Art Jugendmedienzentrum vorfänden.“

Außerdem seien bei einer konzeptionellen Neuausrichtung auch die Öffnungszeiten zu überprüfen – was auch aus Sicht der Bibliotheksleitung dringend erforderlich wäre, da viele Besucher unzufrieden seien. Zurzeit ist die Bibliothek im Griepe-Haus montags geschlossen sowie dienstags, donnerstags und freitags jeweils für drei Stunden am Vormittag und am Nachmittag geöffnet. Mittwochs öffnet sie vormittags für drei Stunden, sonnabends für zwei Stunden.

Von Lars Lohmann und Ines Bräutigam

Kommentar

Bitte mit Augenmaß!

Ines Bräutigam

Das altehrwürdige Griepe-Haus als kunterbuntes Kinder-Spiel- und Leseparadies? Bitte nicht! Bei der Umsetzung des Konzepts für die Bad Bevenser Bibliothek gilt es dringend, mit Augenmaß zu handeln. Denn der Schuss kann schnell nach hinten los gehen, konzentriert man sich nur noch auf Kinder und Jugendliche. Keine Frage: Lese- und Schreibförderung ist richtig und wichtig. Allerdings sind da auch Elternhäuser und Schulen in der Pflicht. Bibliotheken sollten mitnichten verstaubte, stumme Lesestuben sein! Aber sie sollten Orte der kulturellen Begegnung und Bildung sein, moderne Vielfalt bieten und das versunkene Schmökern ebenso erlauben wie das lebenslange Lernen. Und zwar für alle Altersgruppen. (ib)

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