Totschlag und Brandstiftung: Landgericht fällt Urteil gegen 46-Jährigen

Bevenser muss in Psychiatrie

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Rechtsanwalt Volker König (links) verteidigt den angeklagten 46-jährigen Bad Bevenser.

Bad Bevensen/Lüneburg. Der 46-jährige Bad Bevenser, der gestanden hat, im Januar seine Mutter getötet und die gemeinsame Wohnung in Brand gesteckt zu haben, wird dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik untergebracht – bis von ihm keine Gefahr mehr ausgeht.

Dieses Urteil fällte gestern die vierte Strafkammer des Lüneburger Landgerichts.

Weil der Angeklagte unter „krankhaften Wahnvorstellungen“ leide, die durch ein psychiatrisches Gutachten belegt werden, sei er zum Tatzeitpunkt nicht schuldfähig gewesen. Darum entgeht er der lebenslangen Haft, die ihm bei voller Zurechnungsfähigkeit in Folge der schweren Straftaten Totschlag und Brandstiftung, die ihm nachgewiesen wurden, bevorgestanden hätte. Das Gericht sei sich der Gefährlichkeit des Beschuldigten sicher, begründete der Vorsitzende Richter Franz Kompisch das Urteil.

Während der drei Prozesstage war das Geständnis des Angeklagten, der sich bereits wenige Stunden nach seinen Taten am 10. Januar bei der Polizei in Uelzen gestellt hatte, in mehreren Aspekten durch die Aussagen von Zeugen und Sachverständigen widerlegt worden. Bis zum Ende – in diesem Punkt waren sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung einig – konnten nicht alle Ungereimtheiten aufgeklärt werden. Sicher nach Auffassung des Gerichts ist jedoch: Der 46-Jährige habe sich aufgrund seiner psychischen Erkrankung eingebildet, dass sich seine Nachbarn gegen ihn und seine Mutter verschworen und beide mit unterträglichem Lärm terrorisiert hätten. Diese Belästigung, die sich nur im Kopf des Angeklagten abspielte – so formulierte es Richter Kompisch – habe ihn zu der Entscheidung getrieben, das Mehrfamilienhaus, in dem er gemeinsam mit seiner Mutter in einer Zwei-Zimmer-Wohnung lebte, anzuzünden. Seine Mutter habe er in Folge eines Streits umgebracht – und nicht, um sie von dem Lärm der Nachbarn zu erlösen, wie der Angeklagte beständig behauptete.

Von Wiebke Brütt

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