Bad Bevenser fürchten keinen Gästerückgang

Gelassenheit beim Thema Pkw-Maut

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Tourismus ist das Wirtschaftsstandbein Bevensens: Hotels und Gastronomiebetriebe profitieren von den Besuchern. Angesichts der möglichen Maut machen sich nur wenige Sorgen.

Bad Bevensen. „Jede Abgabe erhöht die Hürde überhaupt loszufahren“, sagt Jörg Zehrfeld.

Damit schlägt der Bad Bevenser Hotelier und Dehoga-Ortsverbandsvorsitzender (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband) in die gleiche Kerbe wie der niedersächsische Dehoga-Landesverband. Dessen Geschäftsführerin Renate Mitulla hatte die bundesweit zur Diskussion stehende Pkw-Maut kritisiert und einen Rückgang der Gästezahlen für Niedersachsen prognostiziert, falls die Abgabe eingeführt wird.

Zehrfelds Skepsis teilt Uwe Winter, Geschäftsführer der Bad Bevenser Kurgesellschaft, nur bedingt: „Nach jetzigen Planungen würden deutsche Autofahrer ja über die Kfz-Steuer wieder entlastet“, sagt Winter und zieht den Rückschluss: „Bad Bevensen würde die Steuer also weniger hart als andere Regionen treffen, weil wir zu 99 Prozent Gäste aus Deutschland haben.“ Würde diese Entlastung der deutschen Autofahrer allerdings nicht durchgesetzt, befürchtet auch der Kurgesellschaftschef Auswirkungen für Bad Bevensen. Denn verlässliche Statistiken über das Anreiseverhalten der Gäste lägen ihm zwar nicht vor, er schätzt jedoch, dass nur etwa zehn bis zwölf Prozent der Touristen per Bahn in die Kurstadt reisen. Gerade das Umsteigen während Bahnreisen würde von der Bevenser Zielgruppe als Belastung empfunden. „Werden im Zuge der Mauteinführung keine Steuererleichterungen für die deutschen Autofahrer geschaffen, würde das vor allem das Tagesgeschäft betreffen.“ Ein touristisches Standbein Bad Bevensens sind die Tagesgäste. Nicht nur die Jod-Sole-Therme, sondern auch Restaurants und andere Wirtschaftsbetriebe profitieren von den Ausflüglern.

Etwas Positives kann Winter der zur Diskussion stehenden Maut auch abgewinnen: „Wenn sie pro Kilometer berechnet wird, würden Urlauber sich vielleicht für kürzere Strecken entscheiden und in Bevensen bleiben.“ Darüber hinaus macht er darauf aufmerksam, dass Länder wie Österreich oder die Schweiz, die bereits Maut erheben, keine rückläufigen Gästezahlen verzeichnen würden.

Ähnlich argumentiert auch Michael Schwarz, Inhaber des im Mai abgebrannten Parkhotels und stellvertretender Vorsitzender des Bad Bevenser Vereins „Wirtschaft und Tourismus“: Nachbarländer Deutschlands würden bereits Abgaben einfordern und Europäer, die innerhalb Europas verreisen wollten, müssten zu einem großen Teil durch Deutschland fahren – daran würde auch die Maut nichts ändern. Zudem könnte durch die Abgaben das Straßennetz instand gehalten werden. Für Bad Bevensen befürchtet er keine Negativ-Auswirkungen.

Von Wiebke Brütt

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