Landtagsstudie ist Anlass für Dokumentation über ehemalige Bürgermeister

Bevenser arbeiten NS-Zeit auf

Bad Bevensen. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Bevensen, Hermann Meyer, war Mitglied der NSDAP und der SS.

Das hat eine Studie ergeben, die der Niedersächsische Landtag zur NS-Vergangenheit späterer niedersächsischer Landtagsabgeordneter bei dem Hannoveraner Geisteswissenschaftler Dr. Stephan A. Glienke in Auftrag gegeben und jetzt veröffentlicht hat. Die Stadt Bad Bevensen nimmt das Ergebnis der Studie zum Anlass, das Leben und Lebenswerk der einstigen Bevenser Bürgermeister aufzuarbeiten und in einer Dokumentation darzustellen.

Hermann Meyer wurde 1968 Bürgermeister Bevensens und übte dieses Amt bis 1981 aus. 1964 wurde er Mitglied des Uelzener Kreistages und 1972 Mitglied des Samtgemeinderates. Von 1963 bis 1978 gehörte er der SPD-Fraktion des Landtages an, wo er in den 70er Jahren Vorsitzender des Sozialausschusses war.

In der NSDAP-Mitgliederkartei wurde Meyers Eintritt am 1. September 1941 verzeichnet, am 15. Februar 1942 trat der damals 18-Jährige in die SS ein. Er war als SS-Rottenführer in der Kraftfahr-Abteilung Weimar-Buchenwald tätig. Am 5. Oktober 1995 starb Hermann Meyer in Bad Bevensen.

„Wir möchten das Thema öffentlich machen und offensiv damit umgehen“, sagen Bürgermeister Martin Feller (Grüne) und Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer. Auch im Verwaltungsausschuss – nach dem Stadtrat das höchste Entscheidungsgremium der Stadt Bad Bevensen – wurde das Thema bereits besprochen.

Die Bevenser Historikerin Anneke de Rudder wurde mittlerweile damit beauftragt, die Biografien der ehemaligen Bevenser Bürgermeister zu erforschen. Die 44-Jährige ist spezialisiert auf die Bereiche „Nationalsozialismus, DDR und den Umgang mit beiden deutschen Diktaturen“. Außerdem ist sie Mitglied des Niedersächsischen Forschungskollegs „Nationalsozialistische Volksgemeinschaft“.

„Ziel der fachkundigen Aufarbeitung“, kündigt Martin Feller an, „ist eine sachliche Dokumentation.“ Ohne Bewertungen, ohne Schuldzuweisungen. Es gehe keineswegs darum, das Lebenswerk der in Frage kommenden Bürgermeister zu verunglimpfen, stellt Hans-Jürgen Kammer ausdrücklich klar. Man wolle aber „nichts unter den Teppich kehren“. Deshalb habe Bürgermeister Feller in dieser Angelegenheit „zu Recht die Initiative ergriffen“, sagt Kammer.

Sicher gebe es eine Generation, nach deren Auffassung „ein Schlussstrich gezogen werden soll“, so der Stadtdirektor. „Diesen Schlussstrich kann es aber erst geben, wenn die Vergangenheit aufgearbeitet worden ist. Das sind wir nicht zuletzt auch den jüngeren Generationen schuldig, die irgendwann mal ihre Fragen stellen werden.“

Von Ines Bräutigam

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