Bad Bevensens Politik macht mobil: Dringende Stellungnahmen zu Alpha-E-Variante gefordert

Alpha-E-Variante: Besonderer Lärmschutz soll her

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Der übliche Schallschutz, wie hier in Bruchtorf, reicht der Bad Bevenser Politik nicht aus, sollte ein drittes Bahngleis durch Bad Bevensen gebaut werden.

Bad Bevensen. Der geplante Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lüneburg und Uelzen hat in Bad Bevensen, wie berichtet, für Aufregung gesorgt.

Gerade für einen Kurort könnten die Auswirkungen der sogenannten Alpha-E-Variante, die den Bau eines dritten Bahngleises vorsieht, einschneidend sein. Nach einem internen Gespräch der Fraktionsvorsitzenden mit Matthias Hudaff, dem Leiter des Großprojekts Hamburg/Bremen-Hannover bei der Bahn, sieht jetzt die Bad Bevenser Stadtpolitik umgehenden Handlungsbedarf. Denn noch habe die Bahn lediglich einen Untersuchungsauftrag, wie Stadtdirektor Hans-Jürgen Kammer im AZ-Gespräch erläutert. Es sei also noch Einflussnahme auf weitere Planungen möglich.

Die SPD-Fraktion lässt sich das nicht zwei Mal sagen: Noch am Tag des Gesprächs mit Hudaff stellt sie einen Dringlichkeitsantrag, dass die Stadt zum Entwurf des Bundesverkehrswegeplans, in dem die Alpha-E-Variante enthalten ist, Stellung nehmen und ihre Bedenken vorbringen möge. Die „besondere Interessenslage“ müsse betont werden, fordert SPD-Fraktionsvorsitzende Ellen Laas.

Ein Ausbau der Bahnstrecke dürfe nicht zu zusätzlichen Lärmbelästigungen für die Einwohner führen, so die SPD. Vielmehr müsse ein zusätzlicher Lärmschutz her, ja, „eine Verbesserung der bisherigen Lärmsituation sichergestellt“ werden. Außerdem solle im Falle eines Ausbaus auch der Personenfernverkehr für den Kurort Bad Bevensen verbessert werden. So hatte es auch der Stadtrat schon im Dezember 2014 in einer Resolution an Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies formuliert. In jener Resolution hatte sich die Stadt auch gegen den Bau von neuen Bahnstrecken ausgesprochen.

Auch aus Sicht der CDU sei ein Lärmschutz, der über die gesetzlichen Werte hinausgehe, existenziell für Bad Bevensen. Für den Fall des Baus eines dritten oder gar vierten Gleises werde man sich dafür einsetzen, dass ein maximaler Schall- und Schwingungsschutz gewährt werde, kündigt CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Schliekau an. Ein drittes Gleis könne möglicherweise eine Entlastung bringen, glaubt er. Die Frage sei nur, wie lange. „Gerade für den Fall einer Streckensperrung im Zuge eines Gleis- oder Leitungsschadens werden die vorhandenen Kapazitäten nicht ausreichen, um den steigenden Güterstrom zu bewältigen“, meint Schliekau. Nicht zuletzt auch vor diesem Hintergrund solle man den Bau einer Güterstrecke entlang der Autobahn 7 in Erwägung ziehen, „weil man damit eventuell größere Landschaftszerstörungen vermeidet“. Diese Lösung befürwortet, wie berichtet, auch die Freie und Hansestadt Hamburg, um deren Hafenanbindung ans Hinterland es bei dem ganzen Projekt geht.

Die Fraktion „Bürger für Bad Bevensen“ (BfB) beantragt indes, dass man sich im Verwaltungsausschuss schnellstens über das weitere Vorgehen abstimmen möge. „Erstmals besteht die Möglichkeit in einem öffentlichen Beteiligungsverfahren Stellungnahme zu dem Projekt abzugeben“, erinnert BfB-Fraktionschefin Brigitte-Susanne Hendel-Andabaka. Diese Chance sollte die Stadt dringend nutzen. Und zwar schnell, denn die Frist für Stellungnahmen an das Bundesverkehrsministerium endet am 2. Mai.

Für die Ratsgruppe von Grünen und WBB bleiben laut Gruppenvorsitzender Gabriele Meyer (WBB) „momentan zu viele Fragen offen, um zielführende Maßnahmen ergreifen zu können“. Prognosen bezüglich des Güterverkehrs seien aus Sicht der Gruppe „unklar und zum Teil widersprüchlich“. Meyer: „Ein Anliegen in diesem Zusammenhang ist für uns grundsätzlich das Thema Transportvermeidung auf Schiene und Straße. Auch die Position und der Einfluss Hamburgs auf den Untersuchungsauftrag, die der Variante skeptisch gegenübersteht, ist schwer einschätzbar.“ Für konkrete Aussagen sei es daher noch zu früh, „aber wir werden die weitere Entwicklung kontinuierlich kritisch beobachten, und dann so schnell wie möglich die Bürger informieren, in den Prozess einbeziehen und die dann notwendigen, folgerichtigen Maßnahmen ergreifen“, sagt die Vorsitzende der Grünen/WBB-Gruppe.

Von Ines Bräutigam

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