Nach Raubtier-Attacke: Dorfbewohner setzen Jagdpächter unter Druck

Belagerungszustand in Brockhimbergen: Und abends sind die Wölfe wieder da

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Wunderschön, klug und mit außergewöhnlichem Sozialverhalten – dennoch sorgt der Wolf derzeit in Niedersachsen für heftige Diskussionen. In Brockhimbergen fühlen sich die Bürger von mehreren Wölfen belagert.

Brockhimbergen. „Wir werden hier schon als Idioten beschimpft, weil wir nichts tun.“ Fritz Kramer hat es satt. Der Jagdpächter in Brockhimbergen will sich nicht länger von den Einwohnern des Orts unter Druck setzen lassen.

Denn die fordern ihn und seine Jägerkollegen dazu auf, endlich etwas gegen die Wölfe zu unternehmen, die seit dem Angriff auf eine Damwild-Herde immer wieder in Erscheinung treten. „Wir sind hier im Belagerungszustand“, beschreibt Kramer die Situation.

Einen großen Wolfsrüden sowie zwei kleinere Wölfe seien in der Nähe der Damwild-Weide in Brockhimbergen so gut wie jeden Abend zu sehen, berichtet Kramer. Und das hat sich mittlerweile herumgesprochen: Es gebe einen regelrechten Wolfs-Tourismus im Ort, sagt der Jäger. „Wolfs-Watching“, nennt er das Verhalten der Menschen, die aus Neugier nach Brockhimbergen kämen, um dort einmal das Raubtier aus der Nähe sehen zu können. Und das enttäuscht die Zweibeiner, vor denen es offensichtlich nur wenig Scheu hat, nur selten.

„Wir sehen hier jeden Abend Wölfe“, betont Fritz Kramer. Der Blick durch die Nachtsichtgeräte habe ihm und den anderen Brockhimbergern erst bewusst gemacht, wie präsent die Raubtiere seien. „Mit mehreren Leuten wechseln wir uns ab und bewachen die Weide“, so Kramer. Wenn die Wölfe den Abstand zu sehr verringern, klatschen die Menschen so lange in die Hände, bis das Raubtier abzieht. „Wir versuchen hier schon, ihn topfschlagend auf Distanz zu halten“, so Kramer. „Er geht dann auch. Aber 20 Minuten später ist der Wolf wieder da.“

Nicht nur Fritz Kramer, die Damwild-Züchter und alle Helfer lässt die aktuelle Situation dünnhäutig werden. „Hier im Ort ist keine gute Stimmung“, sagt der Jagdpächter. „Die Bürger sagen zu uns: Knallt die endlich ab! Auch solche, die bisher geschwärmt haben, was für ein schönes, edles Tier der Wolf ist.“ Fritz Kramer gibt den Einwohnern jedes Mal zu denken, dass er dies auch als Anstiftung zu einer Straftat verstehen könne. „Denn wir dürfen den Wolf nicht schießen, und wir werden es auch nicht tun“, betont er. Die Aufregung der Menschen jedoch kann er verstehen. „Die Leute sind fertig. Wenn das so weitergeht, ist das ganze Dorf reif für die Psychiatrie.“

Von Ines Bräutigam

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