„Bei uns unumstritten“

Produkte, für die Kinder in Steinbrüchen schuften, lehnt die Samtgemeinde Bevensen ab.

Bad Bevensen - Von Ines Bräutigam. Während der Antrag auf Kreisebene zu Diskussionen geführt hat, ist er zumindest in der Samtgemeinde Bevensen ein Selbstgänger: Die Mitglieder des Bevenser Samtgemeinderates haben auf ihrer jüngsten Sitzung dem Antrag der Bündnisgrünen, die Verwaltung möge auf Produkte verzichten, die aus Kinderarbeit stammen, einmütig zugestimmt. Besonders erfreut, so Jürgen Hinrichs als Vorsitzender der SPD/WBB/Grünen-Ratsgruppe, sei man darüber, dass die Samtgemeinde längst nach diesen Kriterien arbeitet und Produkte aus Kinderarbeit meidet.

So bezog der stellvertretende Verwaltungschef Hans-Jürgen Kammer jüngst im „Weserkurier“ klar Position: „Es ist nicht akzeptabel, auf Kinderarbeit zurückzugreifen, nur weil es billiger wäre. Man kann das nicht einfach schlucken, wenn es solche Missstände gibt auf der Welt.“ Gemeint ist damit unter anderem die Baumwolle, die von Kindern gepflückt wird und aus der sich Arbeitslatzhosen für Bauhofmitarbeiter billig herstellen ließen. Oder die chinesischen Steinbrüche, „die ja immer wieder in der Diskussion waren“, ergänzt Bevensens Bauamtsleiter Roland Klewwe.

Dass der Granit, mit dem Bad Bevensen seine Fußgängerzone pflastern will, von Kindern bearbeitet wurde, dürfte ausgeschlossen sein. Klewwe hat es mit einem Lieferanten zu tun, „der auch Wert darauf legt“ und deshalb bescheinigt, „dass keine unter 18-Jährigen an der Produktion und Verarbeitung beteiligt waren“, sagt er dem „Weserkurier“. Und Mehrkosten, die dadurch entstehen? „Das ist im Baustoffbereich definitiv nicht der Fall, dass das den Preis erhöht“, sagt Klewwe: „Der günstigste Anbieter hat den Zuschlag bekommen.“

Jürgen Hinrichs jedenfalls – der den Initiator des Antrages, Martin Feller, vertrat, weil dieser „schon erschöpft von so viel Öffentlichkeitsarbeit“ sei – zeigte sich erfreut darüber, dass die Angelegenheit „bei uns unumstritten“ ist. Zur Haltung von Landrat Theodor Elster, der den Antrag ablehnt, weil eine Ausschlussklausel für Kinderarbeit in den Ausschreibungen des Kreises kostenerhöhend wirken könnte, meinte Hinrichs nur knapp: „Ich will das hier nicht weiter kommentieren. Das kommentiert sich selbst.“

FDP-Fraktionsvorsitzender Rüdiger Proest hätte nichts zu dem Thema sagen wollen, leitete er seinen Redebeitrag in der Ratssitzung ein – denn auch für ihn ist die Verwendung von Produkten aus Kinderarbeit indiskutabel. Martin Feller aber hatte jüngst im Zusammenhang mit dem Übertritt seines Parteikollegen Wolfram Sest zu den Liberalen verkündet: „Dass die Fraktion die Resolution vorher nicht unterstützte, ist ein eindeutiges Zeichen, dass da keine grüne Politik gemacht werden kann.“ Das findet Proest schlichtweg „eine Frechheit“, davon sei nie die Rede gewesen. Feller ruderte dann zurück, entschuldigte sich – er sei da wohl falsch informiert worden. „Ich bin ganz dankbar, dass du den Antrag gestellt hast“, sagt Proest in Richtung Feller und hatte sogar noch eine Erweiterung für den Antrag parat: Man solle die Ablehnung der Produkte aus Kinderarbeit nicht nur auf die Länder Asien, Afrika und Lateinamerika beschränken, um sich nicht dem Vorwurf der Diskriminierung auszusetzen. Abschließend gab der FDP-Vorsitzende noch einen Exkurs in die Farbkreislehre: „Die Farben der FDP sind Blau und Gelb. Und was kommt heraus, wenn man beide mischt? Richtig: Grün. Du kannst also davon ausgehen“, sagte er zu Feller, „dass die FDP auch grüne Politik machen kann.“

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