Baustelle Bad Bevensen: Ideen für Tourismus in Zeiten des Umbruchs

Neue Themen besetzen

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Offenheit demonstrieren: Neue Themen sollen Gäste in die Stadt locken.

Bad Bevensen. Die neue Fußgängerzone, der umgestaltete Kurpark, die sanierte Therme und in 2014 vielleicht der Startschuss für ein neues Kurhaus – seit 2009 befindet sich die Kurstadt Bad Bevensen im Bau.

Durch Fördermittel wurde die rasante Erneuerung des Stadtkerns möglich. Doch neben einem modernisierten Stadtbild brachten die Arbeiten auch Unruhe in die Kurstadt – und die reißt nicht ab. „Wir sind dabei, ganz viel zu verändern und das wird sicher auch Auswirkungen auf den Gast haben“, sagt Bürgermeister Martin Feller. „Das sind jetzt zwei Jahre, durch die wir durch müssen. “ Denn werden die Fördergelder für das neue Kurhaus bewilligt, soll im Frühjahr 2014 mit dem Abriss des derzeitigen Kurhauses an der Dahlenburger Straße begonnen werden.

Veranstaltungen werden kommendes Jahr dann alternativ unter anderem in einem Event-Zelt stattfinden. Der Betrieb der Jod-Sole-Therme soll – anders als von vielen Gästen bisher vermutet – von den Arbeiten nicht beeinträchtigt werden. „Wir haben mit der Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM) beschlossen, dass darauf hingewiesen wird, welcher Bereich genau abgebrochen wird und was in dieser Zeit für den Gast angeboten wird“, betont Stadtdirektor und BBM-Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Jürgen Kammer auf Nachfrage der AZ. Denn entstehe der Eindruck, dass die Therme während des Kurhaus-Neubaus nicht nutzbar ist, befürchtet die Stadt Einnahmeeinbußen. Anlass zur Sorge bot bereits der Jahresabschluss 2012 der Bad Bevenser Kurgesellschaft, der während der vergangenen Sitzung des nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschusses der Stadt zur Kenntnis genommen worden war. Das Zahlenwerk hatte ein größeres Defizit als kalkuliert aufgewiesen. Ein Minus von rund 1,68 Millionen Euro – 287 000 Euro mehr als gedacht – stand am Ende des Haushaltsjahres 2012. Die Besucherzahlen brachen um 4,1 Prozent ein. „Mit dem Ergebnis kann man nicht zufrieden sein“, sagt Kammer, macht aber deutlich: „Es macht sich Ratlosigkeit breit. Eigentlich müsste man antizyklisch investieren – aber gleichzeitig soll man nicht mehr Geld in die Hand nehmen.“

Zum Hintergrund: In Zukunftsverträgen, die die Gesellschafter der Kurgesellschaft – die Stadt Bad Bevensen (42 Prozent) und der Landkreis Uelzen (58 Prozent) – mit dem Land geschlossen haben, verpflichten sich beide zu Sparmaßnahmen. Investitionen seien aber wiederum nötig, um den Hamburger Markt zu erschließen, auf dem ein Gutachten der Therme unter Einbeziehung von Entfernungen und Konkurrenten noch Besucherpotenzial attestiert hat. Zudem soll die Salz- und Saunawelt, die derzeit an der Therme entsteht, als „Alleinstellungsmerkmal“ Gäste anlocken – so wie weitere Marketing-Aktionen, die Feller vorschweben: „Wir müssen Themen so besetzen, dass sie in Hamburg wahrgenommen werden. Eine Idee wäre, das Thema Kartoffel weiter auszubauen“, sagt Feller. „Mit Gerhard Kreutz und seinem Heidekartoffelfest und dem Slow-Tourism von Birgit Rehse haben wir gute Ideen und Personen, die sie umsetzen können. Wenn Bad Bevensen bei Kur und Tourismus nicht mehr versucht, oben mitzuschwimmen, haben wir ein großes Wirtschaftsproblem. Alle Gewerbetreibenden und die Einheimischen profitieren davon.“

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