Mehrheitsgruppe schiebt Inklusionsgedanken an / BBM zielt aus Stadtkonzept

Barrierefrei durch das Bad

Derzeit kommen Menschen mit Gehbehinderung in Bad Bevensen nicht ohne Weiteres von A nach B. Die Mehrheitsgruppe im Stadtrat schiebt eine Verbesserung der Transportmöglichkeiten für Menschen mit Handicap an. BBM-Geschäftsführer Uwe Winter geht sogar noch weiter: er befürwortet eine barrierefreie Stadt Bad Bevensen.

Bad Bevensen. „Barrierefreie Stadt“ – bis sich Bad Bevensen mit diesem Titel schmücken könnte, ist es ein weiter Weg. Und ob die Stadt das möchte, ist ein zweiter Punkt.

Noch sind nicht alle Bordsteine im Stadtkern abgesenkt, in der Kurbahn können maximal zwei Rollstuhlfahrer transportiert werden und nur wenige Cafés sind behindertengerecht. Dennoch wirbt die Mehrheitsgruppe im Bad Bevenser Stadtrat (SPD, WBB und Grüne) ganz offensiv zumindest für einen Baustein in Richtung Inklusion – also Gleichberechtigung aller. Die Politiker beantragen, dass die Transportmöglichkeiten für Rollstuhlfahrer zeitnah behindertengerecht gestaltet werden. Und zwar „nicht nur, weil Inklusion in aller Munde, sondern weil es ein Gebot der Fairness ist, gilt es, die vielfach beobachtete Separation endlich zu überwinden. “.

Finanziert werden soll der Ausbau, so die Gruppe, durch 30 000 Euro, die bei der Bad Bevensen Marketing (BBM) eingespart werden könnten.

Mit ihrem Antrag schlägt die Mehrheitsgruppe in die gleiche Kerbe wie BBM- und Kurgesellschafts-Geschäftsführer Uwe Winter, der in Barrierefreiheit vor allem touristischen Nutzen sieht: „Wir haben keinen Stadtbus in dem Sinne, stattdessen fährt die Kurbahn. Wenn Rollstuhlfahrer in der Kurbahn mitgenommen werden, müssen Menschen mit Rollatoren aber derzeit stehen bleiben, weil einfach nicht genügend Platz ist. Das geht nicht“, sagt Winter. Die Infrastruktur innerhalb der Stadt müsse verbessert werden.

Das Problem Mobilität bezieht sich nach Ansicht des Tourismusexperten jedoch noch nur auf den Straßenverkehr. „Es ist eine Grundsatzentscheidung: Wollen wir uns als barrierefreie Stadt präsentieren oder nicht“, fragt Winter. Viele Schritte seien bereits in diese Richtung unternommen worden: Die Bad Bevenser Fußgängerzone wurde barrierefrei ausgebaut, das Kurhaus ist es ohnehin und der Kurpark wird gerade komplett umgestaltet – und zwar auch nach den Bedürfnissen körperlich Beeinträchtigter. Mit dem Gästehaus der Fürst-Donnersmark-Stiftung wartet die Kurstadt zudem mit einer großen behindertengerechten Einrichtung auf. „Das Problem ist aber, dass Gäste mit Gehbehinderungen in einer behindertengerechten Unterkunft übernachten können, sie aber nicht von A nach B kommen – da hilft uns eine barrierefreie Fußgängerzone oder der behindertengerechte Kurpark auch nichts. Die Vernetzung der Teile ist wichtig“, betont Winter seine Vorstellung von einer Kurstadt. „Allerdings muss man sich auch klar darüber sein, dass das Image einer barrierefreien Stadt sicher nicht jedem gefällt. Da muss man den Spagat schaffen, den Bedürfnissen der einen Kunden gerecht zu werden und nicht andere zu verprellen. Aber der Markt ist angesichts der demografischen Entwicklung da.“

Zwölf Millionen Menschen mit Behinderungen leben laut Städte- und Gemeindebund in Deutschland. Er unterstützt das Projekt „Tourismus für alle: Entwicklung und Vermarktung barrierefreier Angebote und Dienstleistungen in Deutschland“, das bis zum Jahr 2013 angelegt ist. Darin sollen einheitliche Qualitätsmerkmale und Kennzeichnungen für den barrierefreien Tourismus entwickelt werden – denn ein einheitliches Siegel, an dem sich Touristen orientieren können, gibt es derzeit noch nicht.

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