Anleger fühlen sich geprellt / Bauantrag wurde nie gestellt

Razzia in Zusammenhang mit Bad Bevenser Hotelprojekt

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Stille am Alten Mühlenweg in Bevensen: Für das 20 Millionen Euro teure Luxus-Hotel mit 100 Zimmern und 25 Bungalows wurde nie ein Bauantrag gestellt. Die Staatsanwaltschaft Stade geht von einem Schaden in Millionenhöhe für die Anleger aus.

Bad Bevensen/Lüneburg. „Das Ganze ist scheiße gelaufen“, sagt Thomas Röper gestern Abend gegenüber der AZ. Gemeint ist sein Projekt für ein Luxushotel mit 100 Zimmern und 25 Bungalows auf dem Gelände des ehemaligen Hamburger Feriendorfs in Bad Bevensen.

Gestern durchsuchten Polizisten in einer großangelegten Aktion nicht nur seine Wohn- und Geschäftsräume in Bad Bevensen und Lüneburg, sondern auch die einer 49 Jahre alten Frau und eines 48 Jahre alten Finanzmaklers in Lüneburg und Mecklenburg-Vorpommern. Letzterer gilt als Hauptverdächtiger. Ihnen wird im Zusammenhang mit dem Hotelprojekt gewerbsmäßiger Betrug und Urkundenfälschung vorgeworfen.

Thomas Röper

Zahlreiche Anleger, vornehmlich aus den norddeutschen Bundesländern, fühlen sich um ihr erspartes Geld geprellt. So investierten sie hohe Beträge als Darlehen in die BD Bad Bevensen Hotel- und Handelsgesellschaft mbH, als deren Geschäftsführer Röper fungierte. Ihnen wurde eine Verzinsung von 3,5 bis acht Prozent zugesagt. Skeptische Geldgeber erhielten Grundschuldbriefe als angebliche Sicherheit. Anleger, die ihr Geld zurückforderten, wurden vertröstet. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Stade geht von einem Millionenschaden aus. Die Auswertung der beschlagnahmten Computer und Dateien wird voraussichtlich mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Tatsächlich wurde für das 20-Millionen-Projekt am Alten Mühlenweg nie ein Bauantrag gestellt, wie Bevensens Bauamtsleiter Roland Klewwe der AZ bestätigt.

Mehr als ein paar Entwurfsskizzen habe er nie gesehen.

Noch im Februar vorigen Jahres sagte Röper der AZ: „Wir wollen das teuerste Hotel in ganz Bevensen werden.“ Im Sommer habe man entschieden, das Projekt aufzugeben, räumt der 59-Jährige gestern gegenüber der AZ ein. Gescheitert sei man am fehlenden Geld, ein eingeplantes Darlehen der KfW-Bank habe man nicht erhalten. Gleichzeitig betont der Unternehmer, der Restaurants in Bevensen und Lüneburg unterhält, die BD habe „sechsstellige Beträge“ in den Abriss der 52 asbesthaltigen Bungalows, das Fällen von 2400 Bäumen und Bodenuntersuchungen ausgegeben. Zum Schluss versuchte man, das Grundstück zu verkaufen. Ein Insolvenzantrag wurde nicht gestellt.

Auch Röper sieht die Schuld vor allem bei dem Finanzmakler, der zu zehn Prozent an dem Hotel-Projekt beteiligt gewesen sei. „Da wurde zuviel getrickst“, sagt der Bevenser. Sogar von Verträgen, deren Durchschlag einen anderen Inhalt hatte, berichtet er. Das sei beim Durchsehen älterer Verträge aufgefallen. Er selbst habe das Verfahren durch eine Selbstanzeige ins Rollen gebracht, sagt Röper: „Wir haben an das Projekt geglaubt.“

Von Gerhard Sternitzke

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