Langjähriger Kurdirektor Kaufmann kandidiert für Stadtrat

Alternativen gegen den „Ausverkauf“

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Der langjährige Stadt- und Kurdirektor Hans-Bernd Kaufmann will sich nun in die Kommunalpolitik einmischen.

Bad Bevensen. 25 Jahre lang hat er als Kurdirektor die Richtung des touristischen Motors der Stadt vorgegeben. 18 Jahre davon hat er gleichzeitig als Stadtdirektor Bad Bevensen maßgeblich mitgeprägt.

Jetzt will Hans-Bernd Kaufmann in der Stadtpolitik mitmischen: Auf dem zweiten Listenplatz der „Bürger für Bad Bevensen (BfB) kandidiert der 72-Jährige für den Bad Bevenser Stadtrat.

Die Triebfeder dafür sei seine Liebe zur Kurstadt, sagt er im AZ-Gespräch. „Als ich 1984 hierher kam“, erklärt Kaufmann, „habe ich mich in die Stadt und die damalige Samtgemeinde verliebt. Das ist auch der Grund dafür, dass ich geblieben bin.“ Nachdem er 2002 nach unterlegener Wahl gegen den SPD-Kandidaten Knut Markuszewski sein Amt als Stadtdirektor abgegeben hatte, war Kaufmann noch bis zum 31. Juli 2009 Kurdirektor. Damals bedeutete das, Geschäftsführer der Kurverwaltung und der Kur GmbH zu sein. „Eine Konstellation, die ich 1984 von meinem Vorgänger Wagenknecht übernommen hatte und die es seit 1969 so gab“, sagt er – und wäre damit schon bei seinem ersten Anliegen: Kaufmann macht sich für eine gemeinsame Geschäftsführung von Kurgesellschaft und Bad Bevensen Marketing GmbH (BBM) stark. „Die Dinge und Entscheidungen der handelnden Personen greifen stark ineinander“, begründet er aus eigener Erfahrung heraus.

Kaufmann ist ehemaliger CDU-Mann. Im Februar 2011 allerdings haderte er dermaßen mit der Arbeit der Christdemokraten, dass er den Vorsitz des Bevenser Ortsverbands abgegeben und wenig später seinen Austritt aus der Partei erklärt hatte. Heute, nach mehreren Jahren, die er Bad Bevensens Entwicklung als Unbeteiligter beobachtet hat, sieht er seine Haltung vor allem in den Positionen der BfB vertreten. Und er stellt fest: „90 Prozent der Probleme – der wirtschaftliche Rückgang, die Infrastruktur und das Erscheinungsbild der Stadt – sind aus meiner Sicht hausgemacht. Aber man kann das mit Möglichkeiten, die man vor Ort hat, auch ändern.“

Den „Ausverkauf“ der Stadt, das „ständige Vernichten von identitätsstiftenden Einrichtungen“ – wie der Verkauf des alten Rathauses oder der Abriss des alten Kurhauses – sieht Kaufmann ebenso kritisch wie das Ignorieren „ästhetischer Kriterien“ bei der Stadtentwicklung. „Das Stehen zur eigenen Geschichte“ fehle ihm in Bad Bevensen. Was nicht heiße, auf der Stelle zu treten. Jedoch: „Es braucht Vorstellungskraft, wie man den Ort entwickeln kann“, sagt Kaufmann und bemängelt diesbezüglich eine „Konzeptionslosigkeit“. „Die Stadt ist in den letzten Jahren hinter ihren Möglichkeiten geblieben“, lautet sein Fazit.

Alles Besserwisserei und Nörgelei? „Nein“, betont Kaufmann, „ich kandidiere, um konstruktiv die Weiterentwicklung Bad Bevensens mitzugestalten. Und ich möchte der Verwaltung Alternativen zu manchen Dingen aufzeigen, und das objektiv und ergebnisoffen.“

Von Ines Bräutigam

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