Mit 80 Jahren eröffnet Günther Paff in Bad Bevensen ein Antiquariat

Alte Bücher neu entdecken

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Er will es nochmal wissen: Günther Paff eröffnet am 23. April sein Antiquariat.

Bad Bevensen. Der Geruch hunderter Geschichten – der steigt Besuchern von Günther Paffs Reich in die Nase. Rund 20 000 Bücher hat der Bad Bevenser in Regale geräumt, sie zuvor nach Genre geordnet, ausgezeichnet und mit Preisen versehen.

Denn mit 80 Jahren startet der ehemalige Buchhandlungsinhaber nun noch einmal durch: Mit einem Antiquariat in der Röbbeler Straße. Am 23. April, zum „Tag des Buches“, öffnet er die Türen zu seiner „guten Stube“.

Liebhaber gebrauchter Stücke sind dort gefragt. Sie können in bis zum Rand gefüllten Regalen stöbern, sich auf dem rosafarbenen Sofa – auf dem einst Brautpaare mit einem Bevenser Pastor ihre Trauung besprachen – in den Geschichten der Bücher verlieren.

Paff selber hat in Siegfried Lenz seinen Meister gefunden. Seine Bücher liest er am liebsten. Mit den jungen deutschen Autoren kann er nicht viel anfangen. Ansonsten liegen Sachbücher auf seinem Nachtschrank. „Und meistens schaue ich schnell in die Bücher, die ich verkauft habe, kurz bevor ich sie weggebe nochmal rein. Ich finde das immer spannend und frage mich, warum jemand gerade dieses Buch haben möchte“, sagt der 80-Jährige.

Seinen Fundus aus rund 40 000 Büchern – nur die Hälfte davon sollen überhaupt im Antiquariat angeboten werden. Die andere Hälfte versucht Paff übers Internet zu verkaufen – untergebracht sind die Bücher derzeit in einem Lager in Höver. „Da hat sich über die Jahre einiges angesammelt. Einen Großteil der Literatur habe er geschenkt bekommen. Den anderen über die Jahre selber zusammen mit einem ehemaligen Angestellten angeschafft. Seit 1986 hat Günter Paff zusammen mit seiner Frau drei Buchläden geführt – einen davon auch in der Kurstadt. „Den hat inzwischen meine Tochter übernommen“, erklärt Günther Paff. Sie würde ihm auch im Antiquariat helfen.

„Eigentlich war der Buchhandel für mich nur eine Verzweiflungstat“, blickt Paff in die Vergangenheit. Zuvor hatte er als Betriebspsychologe und danach selbstständig in der EDV-Branche gearbeitet. Paff: „Mit 50 musste ich dann neu starten. In der EDV-Branche habe ich keinen Job gefunden. Gelesen hatten wir immer gerne und ich hatte auch Ahnung von Literatur, aber eben nicht vom Buchhandel.“ Inzwischen hängt sein Herz nicht nur an frisch gedruckten Romanen, sondern auch an „alten Schinken“: „Niemand schmeißt gerne Bücher weg und Buchhändler ohnehin nicht“, betont er. „Ich hoffe ja, dass meine Kinder das Antiquariat dann irgendwann weiter machen. Eines ist leider sicher: So ein Geschäft bedeutet viel Arbeit und wenig Geld.“

Von Wiebke Brütt

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