„Da bin ich auch nur hilflos

Verhärtete Fronten: Claus-Dieter Reese und die Autobahngegner kamen sich nicht näher. Foto: Rath

Von Marc RathBad Bodenteich. Wenn die Vorzugstrasse für die Autobahn 39 so gebaut wird wie vorgesehen, ist das Grundstück von Thomas Schulz von der Straße eingekeilt. "Seit acht Jahren haben wir unsere ganzen Ersparnisse in das Haus gesteckt. Unser Grundstück wird praktisch wertlos", klagt er seinem Gegenüber Claus-Dieter Reese. Der engagierte Befürworter des Straßenprojekts stellte sich am Montagabend dem Dialog mit einer kleinen Gruppe von Bodenteicher Aktiven gegen die A39.

Bei Fällen wie dem von Schulz weiß auch Reese nicht weiter. "Da bin ich auch nur hilflos", bekennt der Bad Bodenteicher Bürgermeister und CDU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag. "Ich kann Ihnen nichts Positives bieten", räumt er ein und spricht von "Verlierern, die es bei einem Autobahnbau immer geben wird".

Die A39 könne deswegen nicht in Zweifel gezogen werden, betont der Flecken-Bürgermeister zugleich. Die zweistündige Diskussion gerät zu einem Schlagabtausch der bekannten Argumente. Der Christdemokrat verweist auf die Hoffnungen, die in der Region an die Autobahn gekoppelt werden – er setzt auf mehr Tourismus und neue Gewerbeansiedlungen. Die A-39-Gegner sprechen von einem veralteten Denkansatz, fordern ein Umdenken von Planern und Politik: Die wertvolle Landschaft müsse erhalten und als einzigartige touristische Attraktion vermarktet werden.

Zu den jeweiligen Gegenargumenten schüttelt die andere Seite meist nur mit dem Kopf. Beide glauben, dass sie die Mehrheit der Bevölkerung auf ihrer Seite haben. Ob wissenschaftliche Untersuchungen oder Beispiele aus anderen Regionen – jeder hat da seine Quellen, die ins Argumentationsmuster passen. Reese betont, dass er sich im Emsland und in Bayern Regionen angeschaut hat, die eine neue Fernstraße bekommen haben. "Wir können da gemeinsam hinfahren, dann zeige ich Ihnen die positiven Effekte."

Thomas Schulz befriedigt das nicht. "Wenn ich bei den Ämtern konkrete Fragen stelle, was mich erwartet, kommen keine Antworten. Diese Unsicherheit ist das Schlimmste." Reese verspricht nachzuhaken. "Bringen Sie mir Ihre konkreten Fragen. Ich setze mich dafür ein, dass Sie die Antworten bekommen."

Erschienen: 24.05.2006: AZ / 120 / Seite:8

Kommentare