Wochenrevue

Achtung vor der Kreatur

Ines Bräutigam

Wenn sonst hartgesottene Tierschützer den Tränen nahe sind, dann heißt das schon was: Der jüngste Großeinsatz der Ehrenamtlichen vom Uelzener Tierheim ist ein trauriger Höhepunkt in der Geschichte des Tierschutzvereins.

45 Katzen retteten die Helfer aus einem Uelzener Wohnhaus. Manche von ihnen mehr tot als lebendig, keine von ihnen hatte je das Haus verlassen. Wer die bemitleidenswerten Geschöpfe sieht, dem schnürt es die Kehle zu. Selbst wenn er kein bekennender Tierfreund ist. Dieser Vorfall zeigt, wie gedankenlos der Mensch mit der Kreatur umgeht, wie wenig er das Leben eines Tieres achtet. Denn der aktuelle Fall ist kein Einzelphänomen: Schon jetzt liegen ähnliche Fälle bei den Tierschützern auf dem Schreibtisch, um die sie sich zu kümmern verpflichtet fühlen.

Warum „sammeln“ manche Menschen Tiere? Sind es Menschen, die in der Gesellschaft ihren Platz nicht mehr finden und sich zu den Tieren „gerettet“ haben? Nicht umsonst heißt es: „Wer die Tiere liebt, der hat die Menschen kennengelernt.“ Wie auch immer – es darf nicht sein, dass Menschen im Umfeld solcher Leute derart katastrophale Entwicklungen so lange untätig beobachten und dem Leid kein Ende setzen. Und es darf auch nicht sein, dass man solche Quälereien lapidar abtut mit „Es ist doch nur ein Tier“. In jedem dieser Geschöpfe schlägt ein Herz!

Der Mensch hat sich das Tier Untertan gemacht. Es hat sich sein abhängiges Dasein nicht ausgesucht, und es kann sich aus diesem Dasein nicht allein befreien. Deswegen ist es des Menschen verdammte Pflicht und Schuldigkeit, sich darum zu kümmern, dass es den Tieren auch gut geht, so lange sie bei ihm sind. Das gilt für Haustiere genauso wie für Nutztiere. Denn mit der Kreatur mitzufühlen, das macht es aus, ein Mensch zu sein.

Von Ines Bräutigam

Kommentare