Der Aberglaube . . .

.  .  . ist schon eine merkwürdige Sache, findet der Uhlenköper.

Er selber glaubt nicht wirklich an den ganzen Hokuspokus: schwarze Katzen, die angeblich Unheil ankündigen, wenn sie plötzlich über die Fahrbahn laufen, oder Schornsteinfeger, die Glück bringen, wenn man ihre rußige Arbeitskleidung berührt. In Uhlenköpers Bekanntenkreis hingegen treibt der Aberglaube ganz besondere Blüten. Eine Freundin, die in einer Werbeagentur arbeitet, schwört auf ein ungewöhnliches Ritual: An Tagen, an denen sie an wichtigen Meetings teilnehmen muss, trägt sie grundsätzlich bequeme Kleidung. Weite Hosen und Blusen statt eines engen Kostüms – das verschafft ihrem Körper Befreiung, wirkt sich positiv auf ihr Wohlbefinden und damit auf ihr Selbstbewusstsein aus, erklärt sie. Ein anderer Bekannter, der in einer Bank beschäftigt ist, trinkt beim Frühstück grundsätzlich aus seiner Lieblings-Kaffeetasse, wenn für ihn an diesem Tag eine entscheidende Besprechung mit seinem Chef ansteht. Darüber kann der Uhlenköper nur schmunzeln, aber er ist tolerant und lässt jedem seinen Spleen. Sein einziger persönlicher Aberglaube: Er geht niemals unter Leitern hindurch, die an Wänden lehnen. Aber mit einem solchen Tick kommt er sich fast schon altmodisch vor im Vergleich zu seinen Bekannten, der.

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