Allofs: "Die Gefahr besteht"

Wolfsburg befürchtet Lehrstunde gegen Bayern

+
VfL-Manager Klaus Allofs.

Wolfsburg - In die Festtagsstimmung vor dem Heimspiel gegen Bayern München mischt sich beim VfL Wolfsburg auch die Sorge vor einer Demontage.

Die scheinbar übermächtigen Bayern kommen - beim VfL Wolfsburg rüstet man sich schon mal für eine mögliche Lehrstunde. „Die Gefahr besteht, weil die Bayern im Moment richtig gut sind. Wenn sie alles richtig machen, kann man auch hoch verlieren, sogar im eigenen Stadion“, sagte VfL-Manager Klaus Allofs im SID-Interview vor dem Bundesliga-Heimspiel am Samstag (15. 30 Uhr/Sky) gegen den in dieser Saison noch unbesiegten Rekordmeister aus München.

Gleichzeitig forderte der 57-Jährige von seinen Spielern aber auch Mut und Leidenschaft. Es gebe „keinen Grund, mit schlotternden Knien in dieses Spiel zu gehen. Wir haben auch schon gezeigt, was wir können. Für uns ist es auch eine Standortbestimmung“, sagte der Ex-Nationalspieler.

Die Kritik an der Bayern-Dominanz kann Allofs nicht nachvollziehen. Lange habe die Liga gejammert, dass es keine deutsche Mannschaft gibt, die international Titel holt. Jetzt habe man eine, und das sei dann auch wieder nicht gut. Allofs: „Derzeit machen die Bayern es sehr gut, aber ich glaube nicht, dass das eine ewig dauernde Langeweile in der Bundesliga bedeutet.“ Für andere Klubs sei der Vorsprung der Münchner auch „ein Riesenansporn“.

Der langjährige Bremer Manager (1999 bis 2012) glaubt nicht daran, dass der Werksklub trotz guter Rahmenbedingungen den Bayern irgendwann einen Zweikampf auf Augenhöhe bieten kann. „Wir wollen uns keine Limits setzen, aber das sind Fantasien. Wir tun gut daran, weiter in der Realität zu leben“, sagte der einstige Top-Stürmer.

Nach wie vor befinde sich der VfL in einem Lernprozess. Das habe die schmerzliche Erfahrung beim 2:6 am letzten Spieltag gegen 1899 Hoffenheim gezeigt. „Eine Charaktereigenschaft einer erfolgreichen Mannschaft ist, dass sie immer ein Mindestmaß an Qualität abrufen kann. Bei uns schwankt das noch zu sehr“, sagte Allofs und betonte: „Wir sind noch keine Champions-League-Mannschaft.“

Anspielungen anderer Klubs, wonach der VfL durch VW nur so in Geld schwimmen würde, wies Allofs zurück. „Zu sagen: Die haben mehr Geld, die müssen ja weiter oben spielen - das ist natürlich auch Taktik“, betonte der 56-malige Nationalspieler: „Ich glaube trotzdem, dass die Bundesliga erkannt hat, dass da jetzt eine Mannschaft ist, die das Potenzial hat, sich weiterzuentwickeln, um irgendwann vielleicht mal oben reinzukommen.“

Mehr Geduld forderte Allofs bei der Beurteilung von 20-Millionen-Mann Kevin de Bruyne, der beim 2:6 gegen Hoffenheim kaum Akzente setzen konnte. „Er hat sehr gute Ansätze gezeigt, aber er ist noch nicht in der Verfassung, um permanent auf ganz hohem Niveau zu spielen“, sagte Allofs. Der von vielen geforderte neue Stürmer zur kommenden Saison ist für den Manager kein Muss. „Wir haben in Ivica Olic und Bas Dost zwei Hochkaräter. Natürlich muss man auch unsere Entwicklung abwarten“, so Allofs.

Beim Erreichen des internationalen Geschäfts dürfte ein Top-Angreifer aber zum Thema werden. Dass der Werksklub dann durch die Doppelbelastung in der Liga ähnlich abstürzt wie derzeit Eintracht Frankfurt, der VfB Stuttgart oder der SC Freiburg, glaubt Allofs nicht: „Wenn wir das schaffen sollten, glaube ich nicht nur, dass wir da eine gute Rolle spielen werden, sondern auch, dass es keine negativen Auswirkungen auf die Bundesliga haben wird.“

sid

Kommentare