Für die Fußball-Schiedsrichter entwickelt sich der 16,50-Meter-Raum zur großen Herausforderung für ihre Berechenbarkeit

Wenn der Strafraum zur Problemzone wird

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Gelb gegen Hamburgs René Adler, Strafstoß gegen den HSV: Schiedsrichter Felix Zwayer ahndete die Attacke des Torwarts an Bayerns Thomas Müller völlig korrekt; Zwayer hätte in der 40. Minute zudem ein zweites Mal auf den Punkt zeigen müssen.

Hamburg. Die Fußball-Regeln sehen keinen Unterschied vor, ob ein Foul innerhalb oder außerhalb des Strafraums begangen wird. Die Formulierungen „reicht nicht für einen Elfer“ oder „kann man hierfür nicht geben“ gebrauchen häufig solche Fußball-„Experten“, die einen Fehler schlank wegkommentieren wollen.

Wer im Regelwerk einen entsprechenden Unterschied finden sollte, kann sich beim „Pfiff der Woche“ melden und erhält einen nicht unerheblichen Preis. Eine gemeine Wette, da der Ausgang klar ist.

Leider tun sich die Unparteiischen keinen Gefallen, wenn sie das Regelwerk derart biegen, wie es beim Rückrundenstart dann und wann zu beobachten ist. Es tut mir leid, aber man muss es so auf den Punkt bringen: Die deutschen Fußball-Schiedsrichter haben ein Problem mit der Bewertung von Strafraumszenen und, in der Folge, mit ihrer Berechenbarkeit.

Die unterschiedliche und durch das Fußball-Regelwerk in keinster Weise gedeckte Regelauslegung strahlt leider aus von der Bundes- bis in die Kreisliga. Dabei geht es nicht um Wahrnehmungsfehler – diese werden auch künftig mit und ohne Videobeweis zum Fußball dazugehören wie die vergebene Großchance.

In Hannover übersah Schiedsrichter Aytekin ein verdecktes Foul von Adam Szalai (vorn) an Darmstadts Aytac Sulu.

Der Referee hat das versteckte Foul leider nicht gesehen wie etwa Deniz Aytekin (Nürnberg) das Halten von Hannovers Adam Szalai an Darmstadts Aytac Sulu. Eine Szene, die auch mit Videobeweis schwierig zu erkennen wäre.

Auch FIFA-Referee Felix Zwayer (Berlin), der trotz aller Unruhen (Fandel, Krug) unter den Spitzen-Referees beim Bundesliga-Auftakt zwischen dem Hamburger SV und dem FC Bayern München eine Prima-Leistung zeigt, hätte einen Strafstoß mehr geben müssen. Nach der völlig korrekt geahndeten Attacke von HSV-Adler gegen FCB-Müller gab es nämlich noch ein strafstoßwürdiges Foul an Bayerns Müller (durch Hamburgs Cleber in der 40. Minute: klares Fußvergehen und Stoßen) – Glück für den Bundesliga-Dino – zumindest in dieser Szene.

Knut Kircher, das war Weltklasse!

Und Knut Kircher hatte doch recht. Der hocherfahrene Bundesliga-Referee kann stolz auf die 8. Minute in der Partie zwischen Eintracht Frankfurt und dem VfL Wolfsburg (3:2) sein. Aktuelle Zeitlupen geben nämlich dem 47-jährigen Ingenieur aus Rottenburg am Neckar recht: Beim Zweikampf zwischen Stefan Aigner (Frankfurt) und Julian Draxler (VfL) spielt Aigner tatsächlich mit dem Schienbein den Ball, bevor der Wolfsburger zu Boden geht. Kein Strafstoß, Ball gespielt – völlig korrekt. Dies im normalen Spielverlauf ohne fünffache „Slow Motion“ zu sehen – das ist Weltklasse. Insofern leistet auch der „Pfiff der Woche“ Abbitte, der sich zunächst, wie viele andere, sicher war: Beinstellen, Foul. Aber aufgrund des ausgezeichneten Stellungsspiels hatte Knut Kircher den besten Blick auf die Situation, besser als jede Kamera. Und Knut Kircher hat ein Getränk frei – mindestens!

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